Deutsch lernen: Was sind die größten Schwierigkeiten?

Lernmaterialien für den Unterricht
Die fünf größten Schwierigkeiten beim Deutsch lernen. Unterrichtsmaterial.
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Deutsch lernen ist definitiv eine große Aufgabe. Nicht-Muttersprachler haben mit vielen Dingen zu kämpfen, auch wenn sie Deutschkurse belegen und lange in Deutschland leben. Es gehört schon sehr viel Fleiß und Geduld dazu!

Hier sind meine Top fünf der größten Schwierigkeiten beim Deutschlernen:

1. Die Artikel

Ja. Es ist auch für Muttersprachler kein Geheimnis und wird immer wieder erwähnt: Die Artikel im Deutschen sind völlig verrückt. Mit der, die, das ist es leider nicht getan. Nicht nur, dass man erstmal lernen muss, welches Wort jetzt welches Geschlecht hat (Wieso zum Henker heißt es der Junge, aber das Mädchen und nur wenn es mehrere sind die Mädchen? Warum die Lampe, aber das Licht? Der Apfel, aber die Birne???), man muss auch das komplette Paradigma der Artikel auswendig lernen und richtig benutzen können. Ich gehe zu dem Fenster, ich mache das Fenster zu, ich betätige den Griff des Fensters, wir müssen die Fenster dekorieren… Das sprengt einem doch den Kopf. Vor allem, wenn die eigene Muttersprache das System der Fälle nicht in der Form hat, wie das Deutsche. Oder wenn in der eigenen Muttersprache das grammatikalische Geschlecht sooo schön gleich an der Wortendung sichtbar ist…

Was das angeht kann ich alle fleißigen Deutschlerner beruhigen: Auch wir Muttersprachler machen es nicht immer richtig. Fragen sie mal fünf Deutsche, ob es jetzt der oder das Joghurt heißt… Oder der oder das Monat! Da sind wir uns nicht gerade einig. Und wenn der Franke für den Plural nur einen Artikel braucht (Ich geh jetzt mit die Kinder auf den Spielplatz…) dann müssen sich alle, die Deutsch lernen, über ihre Artikel auch nicht den Kopf zerbrechen. Und immerhin, mit Artikelfehlern wurden schon automatische Dönerschneidemaschinen verkauft, denn „der Gerät wird niemals müde„.

2. Der Plural

O.k., eine Birne – zwei Birnen. Ein Brot – zwei Brote?? Ein Apfel – zwei Äpfel??? Ein Finger – zwei Finger????

Es gibt einfach zu viele unterschiedliche Formen, mehr oder weniger mit komplett willkürlich verteilten Endungen. Spätestens wenn jetzt noch die Artikel dazukommen (der Finger/die Finger) ist das Chaos komplett.

3. Die Dialekte

Das kennen wir. Wir lernen Englisch, aber in Schottland oder Australien sind wir völlig verloren. Und manchmal verstehen wir unsere eigenen Landsleute nicht, wenn die ihren Dialekt sprechen.

So geht es einem Ausländer, der in seiner Heimat Deutsch gelernt hat und dann nach Deutschland kommt, auch. Wie soll man einen Bayern, Friesen, Kölner oder Schwaben verstehen, wenn man in Indien oder den USA Hochdeutsch gelernt hat? Vor allem, wenn der sich dann auch noch weigert, Hochdeutsch zu sprechen oder es nicht gut genug kann? Ja, das ist der „Ich dachte, ich könnte Deutsch…“-Moment… Oder wie man bei mir zuhause sagt: „Aich hu gedurcht…“

4. Trennverben

Wie, „Ich habe die Ampel umfahren“ ist etwas anderes als „Ich habe die Ampel umgefahren“? Schreibe ich das Wort um oder umschreibe ich es? Wann kommt denn jetzt dieses „ge“ rein und wann nicht?

Wir brauchen das „ge“ im Perfekt immer dann und auch die Betonung ist immer dann auf der vorderen Silbe, wenn es sich um ein Trennverb handelt. Aber sich das alles zu merken wenn die Verwechslungsgefahr so groß ist… ÜBERsetzen und überSETZEN, ÜBERziehen und überZIEHEN, UMschreiben und umSCHREIBEN, UNTERstellen und unterSTELLEN…

5. Perfekt mit haben oder sein

Bin oder habe ich an der Ecke gestanden? Wenn Sie einen Norddeutschen und einen Süddeutschen fragen, können Sie da durchaus zwei verschiedene Antworten bekommen. Und wie soll jetzt jemand, der Deutsch lernt, entscheiden, was richtig und was falsch ist?

Tatsächlich gibt es dafür schon Regeln, aber sie gelten selten 100 %-ig. Bei Verben der Bewegung oder Position (gehen, stehen, sitzen, laufen, liegen…) verwendet man normalerweise sein. Normalerweise…

Fazit

Denkt einfach daran, dass die Menschen, die hier Deutsch lernen, einen echt harten Job haben. Seid lieb zu ihnen und habt Verständnis für sie. Wer Hilfe beim Lernen braucht, darf sich jederzeit bei mir melden.

Der Herbst ist da!

In Bayreuth ist der Herbst da!
Der Herbst ist gekommen!

Es ist Herbst! Der goldene Oktober hat mich zu einem kleinen Sprachvergleich inspiriert.

Der Herbst in den europäischen Sprachen

Die germanischen Sprachen

Die heute noch gesprochenen germanischen Sprachen teilt man in nordgermanische und westgermanische ein. Dabei gehören zu den westgermanischen Sprachen Englisch, Deutsch, Niederländisch und Luxemburgisch. Zu den nordgermanischen gehören zum Beispiel Schwedisch, Dänisch, Isländisch und Norwegisch.

Gerade was Englisch angeht, darf man nicht vergessen, dass es in ziemlich vielen Teilen der Welt verbreitet ist und es viele unterschiedliche Varianten gibt. In British English zum Beispiel heißt die Jahreszeit autumn (ursprünglich vom lateinischen autumnus) und im amerikanischen Englisch fall. Na ja, klar, die Blätter fallen eben im Herbst.

Und unser deutscher Herbst? Der kommt vermutlich vom germanischen *harbista, das sich aus dem Indogermanischen *karp (ernten) entwickelt hat. Wir erinnern uns an das englische Wort für ernten? Ja, richtig, harvest. Bis zum 16. Jahrhundert scheint man das Wort auch in England für die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter benutzt zu haben. Und ist ja auch logisch, Herbst ist nun mal Erntezeit. Im Schwedischen ist daraus höst geworden, im Niederländischen herfst, im Isländischen haust und im Norwegischen høst.

Die romanischen Sprachen

Die wichtigsten romanischen Sprachen in Europa sind Spanisch, Italienisch, Französisch und Portugiesisch. Hier hält man sich an die ursprüngliche lateinische Form autumnus, da all diese Sprachen lateinische Wurzeln haben: im Italienischen autunno, im Spanischen otoño, im Portugiesischen outono und im Französischen automne. Woher das Wort ursprünglich kommt, ist jedoch nicht geklärt. Es könnte zum Beispiel aus dem Etruskischen entlehnt worden sein.

Herbst in den slawischen Sprachen

Die slawischen Sprachen in Europa, die genau wie die germanischen und romanischen auf das Urindoeuropäische zurückgehen, lassen sich in Ost- Süd- und Westslawische Sprachen einteilen.

Schauen wir uns zuerst die ostslawischen Sprachen an: Hier haben wir im Russichen осень (osen), im Ukrainischen осінь (osin) und im Belarussischen восень (wosen). Alle drei Sprachen nutzen hier also dieselbe Wortwurzel. Es gibt zwei Theorien über deren Herkunft: Zum Einen dass es vom gotischen Wort für Ernte kommt, zum Anderen dass es mit dem Verb für verhüllen, verdunkeln (rus. осенять (osenjat)) zusammenhängt.

Bei den südslawischen Sprachen haben wir im Serbokroatischen jesen, im Bulgarischen есен (esen), im Slowenischen jesen und im Mazedonischen есен (esen). Also sind auch die Südslawen sich einig – und man sieht ganz klar die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihnen und den ostslawischen Sprachen.

Schauen wir zu den Westslawen: im Polnischen haben wir jesień, im Tschechischen jeseň oder podzim und in den sorbischen Sprachen nazyme. Polnisch und Tschechisch nutzt also dieselbe Wurzel wie die anderen slawischen Sprachen. Das tschechische podzim und das sorbische nazyme bedeutet jeweils soviel wie „vor dem Winter“ (vgl Russisch: зима (sima) = Winter).

Weiteres über den Herbst

In den slawischen Sprachen ist der Blattfall in die Bezeichnungen für die Monate eingegangen: lustigerweise aber heißt im Tschechischen und früher auch im Obersorbischen der November listopad (Blattfall), im Kroatischen aber der Oktober… Na gut, vielleicht fallen die Blätter in Kroatien aufgrund des Klimas etwas früher.

Den Begriff Altweibersommer für die Schönwetterperiode Ende September/Anfang Oktober gibt es auch in vielen Sprachen, vermutlich da es sich um ein allgemeines Wetterphänomen handelt. So ist es in Amerika der Indian Summer (vermutlich wegen der bunt leuchtenden Blätter im Sonnenschein). Ähnlich haben wir im Französischen été indien Auf Russisch heißt er бабье лето/babje leto, also auch wörtlich Altweibersommer. Ähnlich ist es auch im Polnischen (babie lato) und Tschechischen (babí léto) sowie im Ukrainischen (бабине літо/babyne lito). Als „goldenen Herbst“ (złota jesień) gibt es im Polnischen auch den goldenen Oktober.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Herbst!

Slawische und westeuropäische Sprachen

Wer sich mit der Geschichte der Sprachen beschäftigt, entdeckt die Verwandtschat zwischen den slawischen  und den westeuropäischen Sprachen.

Slawische und westeuropäische Sprachen sind miteinander verwandt. Sie gehören zu den indoeuropäischen Sprachen und gehen somit nach aktuellem Stand der Wissenschaft auf einen gemeinsamen Ursprung, die urindoeuropäische Sprache, zurück. Diese wird natürlich nicht mehr gesprochen, aber aus den heute noch bestehenden indoeuropäischen Sprachen können wir sie größtenteils rekonstruieren.

Die heutigen indoeuropäischen Sprachen

Die indoeuropäischen Sprachen sind mit weitem Abstand die Sprachen, die am meisten gesprochen werden. Man schätzt, dass ca. drei Milliarden Menschen eine indoeuropäische Sprache sprechen!

Viele indoeuropäische Sprachen sind bereits wieder ausgestorben, zum Beispiel die anatolischen Sprachen, zu denen auch das Hethitisch gehörte. Auch viele der gälischen Sprachen und das Gotische sind ausgestorben.

Der Stammbaum der indoeuropäischen Sprachen ist bis heute also sehr weit verzweigt. Zu ihnen gehören zum Beispiel die romanischen Sprachen Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Französisch, die auf das Latein und somit die italische Sprachgruppe zurückgehen. Deutsch und Englisch gehören zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen. Zu den germanischen Sprachen gehören auch die skandinavischen Sprachen Dänisch, Norwegisch und Isländisch.

Aus dem indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen sind die zahlreichen indischen Sprachen und die iranischen Sprachen hervorgegangen.

Ein Zweig der indoeuropäischen Sprachen ist auch das Balto-Slawische, aus dem einerseits die baltischen Sprachen Litauisch und Lettisch hervorgegangen sind, aber auch die slawischen Sprachen.

Die slawischen Sprachen wiederum lassen sich in Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch), Südslawisch (zum Beispiel Bulgarisch, Serbokroatisch) und Westslawisch (zum Beispiel Tschechisch, Polnisch und Sorbisch) einteilen.

Woran hört man die Verwandtschaft der slawischen zu den westeuropäischen Sprachen?

Die Sprachen haben sich nicht einfach so voneinander abgegrenzt, sondern der Lautwandel unterlag Gesetzmäßigkeiten. Aufgrund dieser Lautgesetze kann man auch die urindoeuropäischen Wortwurzeln rekonstruieren.

So gilt zum Beispiel, dass in den sawischen Sprachen die Fließlaute (Liquide) L und R umgestellt wurden (Liquidametathese), also mit dem Vokal vor ihnen den Platz tauschten. Im Russischen kam dann in der Regel die Polnoglasie, also der Volllaut hinzu, sodass vor dem Liquid wieder ein Vokal ergänzt wurde.

Ein Beispiel hierfür ist das russische Wort moloko für Milch. Im Polnischen heißt es mleko und im Tschechischen mléko, den Volllaut vor dem L gibt es nur im Russischen. In den westeuropäischen Sprachen wurde das L nicht umgestellt, sodass zuerst der Vokal und dann das L kommt wie in milk und Milch. Und im Urindoeuropäischen? Da kann man die Form *melk rekonstruieren.

Und was hat der englische guard und der deutsche Garten mit der russischen Stadt (gorod) zu tun? Genau, vermutlich gab es eine urindoeuropäische Form *gard. In den slawischen Sprachen kristallisierte sich die Bedeutung „Burg“ und auch „Stadt“ heraus, vermutlich war ursprünglich ein umfriedeter Bereich gemeint. Im Polnischen hieß Burg früher gród, im Tschechischen hrad. Heute heißt Stadt im Tschechischen grad. Im Russischen kam dann noch der Volllaut dazu, sodass gorod daraus wurde. In den westeuropäischen Sprachen wurde das R nicht umgestellt, aber die Bedeutung hat sich geändert. Unser deutscher Garten und der englische guard haben dieselbe Wurzel.

Außerdem ist auch Karl der Große in den slawischen Sprachen verewigt, nur wurde auch hier gemäß der Liquidametathese das R nach vorne verlegt. Auf Tschechisch heißt König daher král und auf Polnisch król. Auf Russisch kam der Vollaut dazu, sodass König hier korol heißt.

Warum sollte man die Sprachgeschichte lernen?

Studenten müssen in den ersten Semestern die Sprachgeschichte und auch zum Teil die Beziehungen zwischen den Sprachen kennen lernen. Zum einen natürlich, weil sie dieses Wissen eventuell brauchen, wenn sie später einmal in die Forschung gehen, zum anderen aber auch, weil man sich einen Sprache viel einfacher und viel schneller erschließen kann, wenn man die Grundprinzipien ihrer Entstehung kennt. Wenn man weiß, woher ein Wort stammt und wie es gebildet wurde, wird man es nicht mehr vergessen. Und auch in der Grammatik gibt es plötzlich keine Ausnahmen mehr, sondern alte Deklinationsmuster, die erhalten geblieben sind.

Wer mehr erfahren möchte und vielleicht gerade über ein Slawistikstudium nachdenkt, kann hier gerne weiterlesen.

So viel Deutsch steckt in Russisch: Entlehnungen und Internationalismen

Deutsche Entlehnungen im Russischen und Austausch zwischen den Sprachen!

Die russische Sprache steht, wie alle Sprachen, im ständigen und regen Austausch mit anderen Sprachen. Sie hat dabei Worte aus anderen Sprachen als Entlehnungen aufgenommen und Worte an andere Sprachen weitergegeben. In vielen Fällen haben die Worte dabei leicht oder vollständig ihre Bedeutung verändert, manchmal wurden sie auch einfach wörtlich übersetzt (so wurde der deutsche „Kindergarten“ zum Beispiel zum детский сад-djetskij sad). Manchmal kommen Worte aus einer Sprache auch nicht direkt in eine andere Sprache, sondern werden durch eine dritte Sprache quasi vermittelt. Die Worte танец-tanjez (Tanz) und маляр-maljar (Maler) wurden vermutlich aus dem Deutschen über das Polnische ins Russische getragen.

Internationalismen

Natürlich gibt es auch viele Internationalismen, die im Russischen genauso benutzt werden wie in den meisten anderen Sprachen. Diese haben vor allen Dingen mit der Informationstechnik zu tun, zum Beispiel Internet (интернет) oder Computer (компьютер). Auch im Sport finden sich solche Worte, zum Beispiel футбол-futbol (Fußball), гандбол-gandbol (Handball). Es gibt auch noch viele alte lateinische oder griechische Entlehnungen, die sich insgesamt in den indoeuropäischen Sprachen durchgesetzt haben und so eben auch in Russland vertreten sind. Dazu gehören zum Beispiel solche Begriffe wie энергия-energija (Energie), энциклонедия-enziklopedija (Enzyklopädie) oder элемент-element (Element). Griechische Entlehnungen wurden im Altertum oft direkt ins Russische eingebracht, lateinische eher durch Umwege über andere Sprachen in der Neuzeit. Da aber gerade Internationalismen in vielen Sprachen verwendet werden, ist es oft schwer zu sagen, aus welcher Sprache sie nun genau übernommen wurden.

Die falschen Freunde des Übersetzers

Und dann gibt es da noch die falschen Freunde des Übersetzers. Dabei handelt es sich um Worte, die in zwei Sprachen ganz ähnlich klingen, aber eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben und deshalb gerne verwechselt oder falsch übersetzt werden. Sie haben manchmal wirklich einen gemeinsamen Ursprung, aber oft klingen falsche Freunde nur zufällig gleich oder sehr ähnlich.

Im Russischen ist ein klassisches Beispiel für einen falschen Freund das Wort Doktor. Ein russischer доктор hat im Gegensatz zum deutschen Doktor bereits seine Habilitation hinter sich und kann Professor werden. Ein deutscher Doktor, also jemand, der promoviert und eine Doktorarbeit geschrieben hat, heißt im russischen кандидат наук.

Wo wir gerade bei akademischen Themen sind: Der russische академик ist nicht ein Akademiker im Sinne eines Hochschulabsolventen, sondern ein Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften. Die russische академия-akademija ist die Akademie der Wissenschaften und nicht wie im Deutschen allgemein eine Berufs- oder Fachakademie oder Militärakademie.

Ein weiteres Beispiel ist der Zentner. Im Deutschen denken wir da sofort an 50 kg. Das Wort stammt vom lateinischen „centum“ (hundert) ab. In Deutschland hat man bei der Berechnung des Zentners also an 100 Pfund gedacht. In den meisten slawischen Ländern, darunter auch Russland, und übrigens auch in der Schweiz dachte man an 100 Kilogramm. Ein russischer центнер-zentner sind also zwei Zentner bei uns.

Wie die Entlehnungen ins Russische kamen

Neben Englisch haben vor allem die französische Sprache als Hofsprache und auch die deutsche Sprache ihre Spuren im Russischen hinterlassen.

Ein wichtiger Punkt was den Einfluss anderer Sprachen, vor allem des Deutschen, auf die russische Sprache angeht war die Zarenschaft Peters des Großen. Er war bereits als junger Mann beeindruckt von den deutschen Handwerkern und Ärzten, die in besonders für ausländische Arbeiter angelegten Siedlungen (nemezkaja sloboda) lebten. Man sagt auch, dass Peter der Große inkognito nach Deutschland und Holland reiste und sich als Lehrling ausgab, um Neuentwicklungen vor allem im Schiffsbau nach Russland zu bringen.

Holländische Entlehnungen gibt es seitdem in der russischen Sprache im Bereich des Schiffsbaus, deutsche Entlehnungen zum Beispiel im Militär. So sind die militärischen Dienstgrade bis heute zum größten Teil Deutsch (генерал-general, майор-maior, лейтенант-leitenant, маршал-marschal, ефрейтор-jefreitor und viele mehr). Beim Marschieren zählt man in Russland bis heute deutsch.

In der Zeit Peters des Großen wurden aber auch in Technik und Handwerk sowie im Bildungswesen, Finanz- und Rechtswesen (zum Beispiel адвокат-advokat, der Anwalt) sowie in der Kultur (zum Beispiel гастроль-gastrol, die Gastrolle oder das Gastspiel) viele deutsche Worte übernommen.

Gerade für jemanden, der anfängt, Russisch zu lernen, ist es sehr interessant und teilweise witzig, wenn man dann in Russland unterwegs ist und plötzlich Worte hört wie бутерброд-buterbrod (Butterbrot), рюкзак-rjuksak (Rucksack), шлагбаум-schlagbaum (Schlagbaum, Schranke), вагон-wagon (Waggon) ландшафт-landschaft (Landschaft oder Landschaftsbild) oder автобан-awtoban (Autobahn). Auch geht man eventuell zum парикмахер-parikmacher (Friseur, nicht Perückenmacher! Achtung falscher Freund.) Oder man schaut sich abends ein фейерверк-feierwerk (Feuerwerk) an.

Die hier genannten Entlehnungen und falsche Freunde sind natürlich keine vollständige Auflistung, es gibt noch viele, viele mehr. Man wird sie jedoch schnell erkennen, wenn man Russisch lernt! Auch wurden mehrere Diplomarbeiten zu dem Thema geschrieben, die für ganz Interessierte und vor allem Studenten eine lohnenswerte Lektüre sind.

Die Kyrillische Schrift

Kyrillische Schrift mit Aussprache

Die erste Hürde, die man beim Russischlernen meistern muss, ist die kyrillische Schrift. Einige der Zeichen sehen genauso aus und werden so ausgesprochen wie die lateinischen, die wir jeden Tag benutzen, zum Beispiel das e, o und a. Andere wieder sind verwirrend, weil sie an lateinische Buchstaben erinnern, aber anders ausgesprochen werden. Der russische Buchstabe, der aussieht wie ein deutsches P, wird zum Beispiel wie ein R ausgesprochen. Wieder andere haben mit dem lateinischen Alphabet gar nichts zu tun. Dazu gehören zum Beispiel das я (ja) oder das ж (weiches sch).

Woher kommt der Name „kyrillische Schrift“?

Ihren Namen haben die für Westeuropäer fremdartigen Buchstaben von dem Slavenapostel Kyrill. Im 9. Jahrhundert erhielt er gemeinsam mit seinem Bruder Method den Auftrag, das Christentum unter den Slawen zu verbreiten. Die Brüder wurden für diesen Auftrag ausgewählt, da sie aus Thessaloniki im nördlichen Griechenland stammten, wo Slawen lebten. Sie beherrschten daher den dort verbreiteten südslawischen Dialekt.

Eine slawische Schrift

Ein Problem gab es allerdings noch: Die Slawen hatten zu dieser Zeit noch keine Schriftkultur. Um ihre heiligen Schriften zu verbreiten und zu lehren mussten die beiden Brüder also zunächst eine Schrift entwickeln und ihre griechisch-orthodoxen religiösen Texte in das Slawische übersetzen. Die einzelnen slawischen Sprachen unterschieden sich damals noch nicht so stak voneinander wie heute, den südslawischen Dialekt aus Thessaloniki verstanden also alle. So wie die Sprache in den Kirchentexten verwendet wurde, wurde sie dann Altkirchenslawisch genannt.
Um 860 n. Chr. begannen Kyrill und Method dann auf Auftrag des Kaisers Michael III ihre Mission zu den slawischen Chasaren. Auf Wunsch des Fürsten Rastislaw missionierten sie ab 863 auch das Großmährische Reich, eines der ersten Slawenreiche. Rastislaw versprach sich davon wohl eine kulturelle Weiterentwicklung seines Volkes und außerdem bessere Beziehungen zu den orthodoxen Byzantinern.

Die moderne kyrillische Schrift

Die von Kyrill entwickelte Schrift hatte mit der heutigen kyrillischen Schrift, wie sie zum Beispiel von Russen, Ukrainern, Weißrussen, Bulgaren und Serben benutzt wird, nicht viel gemeinsam. Sie wurde glagolitische Schrift genannt, in einigen Klöstern in Bulgarien findet man sie noch in Inschriften. Erst circa einhundert Jahre später wurde in Ostbulgarien die kyrillische Schrift, die wir heute kennen, entwickelt. Sie kommt uns deshalb teilweise bekannt und teilweise verwirrend vor, weil sie sich auf die griechische Schrift gründet, die man als Symbole aus der Mathematik und Physik kennt, und weil auch unsere lateinische Schrift auf die griechische zurückgeht.

Russisch schreiben lernen

Der erste Kommentar, wenn man erzählt, dass man Russisch kann, ist oft: „Das ist aber eine schwierige Sprache, alleine die Schrift ist ja ganz anders als unsere“.

Ja, das ist sie. Aber erinnern Sie sich daran zurück, wie Sie in der ersten Klasse die lateinische Schrift gelernt haben! Genauso wird auch die kyrillische Schrift gelernt, viel mehr Zeichen als in der deutschen Schrift gibt es ja nicht. Außerdem fällt das Schreiben einem Erwachsenen, der ja schon eine Schrift beherrscht, um einiges leichter als einem Kind, das noch gar nicht schreiben kann. Wenn man täglich übt kann man die Buchstaben nach wenigen Tagen flüssig lesen und schreiben. Insofern ist diese erste Hürde viel weniger hoch, als man im ersten Moment denkt!