Slawische und Westeuropäische Sprachen

Wer sich mit der Geschichte der Sprachen beschäftigt, entdeckt die Verwandtschat zwischen den slawischen  und den westeuropäischen Sprachen.

Slawische und westeuropäische Sprachen sind miteinander verwandt. Sie gehören zu den indoeuropäischen Sprachen und gehen somit nach aktuellem Stand der Wissenschaft auf einen gemeinsamen Ursprung, die urindoeuropäische Sprache, zurück. Diese wird natürlich nicht mehr gesprochen, aber aus den heute noch bestehenden indoeuropäischen Sprachen können wir sie größtenteils rekonstruieren.

Die heutigen indoeuropäischen Sprachen

Die indoeuropäischen Sprachen sind mit weitem Abstand die Sprachen, die am meisten gesprochen werden. Man schätzt, dass ca. drei Milliarden Menschen eine indoeuropäische Sprache sprechen!

Viele indoeuropäische Sprachen sind bereits wieder ausgestorben, zum Beispiel die anatolischen Sprachen, zu denen auch das Hethitisch gehörte. Auch viele der gälischen Sprachen und das Gotische sind ausgestorben.

Der Stammbaum der indoeuropäischen Sprachen ist bis heute also sehr weit verzweigt. Zu ihnen gehören zum Beispiel die romanischen Sprachen Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Französisch, die auf das Latein und somit die italische Sprachgruppe zurückgehen. Deutsch und Englisch gehören zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen. Zu den germanischen Sprachen gehören auch die skandinavischen Sprachen Dänisch, Norwegisch und Isländisch.

Aus dem indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen sind die zahlreichen indischen Sprachen und die iranischen Sprachen hervorgegangen.

Ein Zweig der indoeuropäischen Sprachen ist auch das Balto-Slawische, aus dem einerseits die baltischen Sprachen Litauisch und Lettisch hervorgegangen sind, aber auch die slawischen Sprachen.

Die slawischen Sprachen wiederum lassen sich in Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch), Südslawisch (zum Beispiel Bulgarisch, Serbokroatisch) und Westslawisch (zum Beispiel Tschechisch, Polnisch und Sorbisch) einteilen.

Woran hört man die Verwandtschaft der slawischen zu den westeuropäischen Sprachen?

Die Sprachen haben sich nicht einfach so voneinander abgegrenzt, sondern der Lautwandel unterlag Gesetzmäßigkeiten. Aufgrund dieser Lautgesetze kann man auch die urindoeuropäischen Wortwurzeln rekonstruieren.

So gilt zum Beispiel, dass in den sawischen Sprachen die Fließlaute (Liquide) L und R umgestellt wurden (Liquidametathese), also mit dem Vokal vor ihnen den Platz tauschten. Im Russischen kam dann in der Regel die Polnoglasie, also der Volllaut hinzu, sodass vor dem Liquid wieder ein Vokal ergänzt wurde.

Ein Beispiel hierfür ist das russische Wort moloko für Milch. Im Polnischen heißt es mleko und im Tschechischen mléko, den Volllaut vor dem L gibt es nur im Russischen. In den westeuropäischen Sprachen wurde das L nicht umgestellt, sodass zuerst der Vokal und dann das L kommt wie in milk und Milch. Und im Urindoeuropäischen? Da kann man die Form *melk rekonstruieren.

Und was hat der englische guard und der deutsche Garten mit der russischen Stadt (gorod) zu tun? Genau, vermutlich gab es eine urindoeuropäische Form *gard. In den slawischen Sprachen kristallisierte sich die Bedeutung „Burg“ und auch „Stadt“ heraus, vermutlich war ursprünglich ein umfriedeter Bereich gemeint. Im Polnischen hieß Burg früher gród, im Tschechischen hrad. Heute heißt Stadt im Tschechischen grad. Im Russischen kam dann noch der Volllaut dazu, sodass gorod daraus wurde. In den westeuropäischen Sprachen wurde das R nicht umgestellt, aber die Bedeutung hat sich geändert. Unser deutscher Garten und der englische guard haben dieselbe Wurzel.

Außerdem ist auch Karl der Große in den slawischen Sprachen verewigt, nur wurde auch hier gemäß der Liquidametathese das R nach vorne verlegt. Auf Tschechisch heißt König daher král und auf Polnisch król. Auf Russisch kam der Vollaut dazu, sodass König hier korol heißt.

Warum sollte man die Sprachgeschichte lernen?

Studenten müssen in den ersten Semestern die Sprachgeschichte und auch zum Teil die Beziehungen zwischen den Sprachen kennen lernen. Zum einen natürlich, weil sie dieses Wissen eventuell brauchen, wenn sie später einmal in die Forschung gehen, zum anderen aber auch, weil man sich einen Sprache viel einfacher und viel schneller erschließen kann, wenn man die Grundprinzipien ihrer Entstehung kennt. Wenn man weiß, woher ein Wort stammt und wie es gebildet wurde, wird man es nicht mehr vergessen. Und auch in der Grammatik gibt es plötzlich keine Ausnahmen mehr, sondern alte Deklinationsmuster, die erhalten geblieben sind.

Wer mehr erfahren möchte und vielleicht gerade über ein Slawistikstudium nachdenkt, kann hier gerne weiterlesen.

Die Basiliuskathedrale

Die Basiliuskathedrale

Wie kein anderes Bauwerk ist sie zum Symbol für Moskau und Russland selbst geworden: die Basiliuskathedrale. Sie befindet sich direkt neben dem Kreml am Roten Platz, ist sicherlich eines der beliebtesten Fotomotive in Moskau und gehört zum UNESCO-Welterbe.

Eigentlich heißt sie aber gar nicht Basiliuskathedrale. Offiziell heißt sie Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben.

Geschichte der Basiliuskathedrale

Ursprünglich stand dort, wo die Basiliuskathedrale jetzt steht, die aus Holz gebaute Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Sie wurde 1552 im Auftrag Iwan des Schrecklichen als Denkmal für den Sieg der russischen Armee über die Tataren in Kasan errichtet. Da dieser Sieg über die Tataren eben am Tag des Orthodoxen Festes Mariä Schutz und Fürbitte stattfand, wurde die 1558 erbaute, steinerne Kathedrale offiziell nach diesem Feiertag benannt. Basiliuskathedrale nennt man sie im Volksmund, weil sie über dem Grab Basilius des Seligen errichtet wurde.

Der Architekt der Kathedrale war vermutlich Postnik Jakowlew aus Pskow. Ob noch ein weiterer Architekt namens Barma daran beteiligt war oder ob dies gar nur der Spitzname von Postnik Jakowlew war, ist ungeklärt.

Architektur und Baustil

Was den Architekturstil der Kathedrale betrifft, so vereinigt sie sowohl russische als auch europäische Elemente in sich. Im Ganzen besteht sie aus neun Kirchen, von denen jede eine eigene Kuppel hat. Im Zentrum befindet sich die eigentliche Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche mit der goldenen Kuppel. Quadratisch um sie herum sind acht weitere Kirchen angeordnet, die für die acht wichtigsten Schlachten um Kasan stehen.

Die Kathedrale besteht aus zwei Etagen. In der unteren liegt das Grab von Basilius dem Seligen und die Basiliuskapelle darüber. In der oberen Etage befinden sich die neun Kirchen mit ihren Kuppeln.

Natürlich wurde die Kirche, die im Unterschied zu den meisten anderen orthodoxen Kirchen nicht weiß bemalt ist, über die Jahrhunderte mehrmals renoviert und verändert. Denn zu Beginn war sie weiß bemalt und alle Kuppeln waren golden, wie bei den meisten orthodoxen Kirchen.

Als Reiseziel:

Ein Tipp für besondere Fotos der Kathedrale: Sie steht schräg zum roten Platz und sieht daher auf den meisten Fotos, die den Blick vom Roten Platz aus einfangen, asymmetrisch und chaotisch aus. Dies ist zwar auch der bekannteste Blickwinkel auf die Kathedrale, wenn man sie jedoch von Westen, mit der Kremlmauer im Rücken, fotografiert, kommt ihre Symmetrie erst heraus.

Gottesdienste finden in der Basiliuskathedrale übrigens nicht statt, sie ist Teil des Staatlichen Museums für Geschichte und man kann sie besichtigen.

Beglaubigte Übersetzungen

Was man über beglaubigte Übersetzungen wissen muss

Wenn man in ein Land einwandert, braucht man einige beglaubigte Übersetzungen von Dokumenten. Möchte man zum Beispiel, dass der Studien- oder Ausbildungsabschluss anerkannt wird, müssen die Zeugnisse beglaubigt übersetzt werden. Möchte man im Ausland heiraten, muss man die hierfür geforderten Dokumente wie Geburtsurkunde, Inlandspass und Ehefähigkeitszeugnis bzw. Ledigkeitsbescheinigung in beglaubigter Übersetzung vorlegen.

Wer kann eine beglaubigte Übersetzung anfertigen?

Beglaubigte Übersetzungen für deutsche Behörden dürfen nur in Deutschland allgemein beeidigte bzw. ermächtigte Übersetzer anfertigen. Eine Liste beeidigter Übersetzer finden Sie unter justiz-dolmetscher.de oder auch auf den Homepages der Landgerichte.

Wodurch unterscheidet sich eine beglaubigte Übersetzung von einer allgemeinen?

Eine Beglaubigte Übersetzung trägt die Überschrift „beglaubigte Übersetzung aus der… Sprache“. Außerdem ist sie vom Übersetzer gestempelt und der unterschriebene Beglaubigungsvermerk des Übersetzers ist angeheftet. Bei einer Beglaubigten Übersetzung sollten auch die Seiten nummeriert sein und sie müssen so zusammengeheftet und geknickt sein, dass der Stempel des Übersetzers über alle Seiten (auch den Beglaubigungsvermerk) geht.

Die genauen Vorgaben unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Für Bayern gibt es einen Leitfaden mit Empfehlungen.

Wie überträgt man Namen aus dem Russischen?

Laut den Empfehlungen für Bayern sollen Namen bei beglaubigten Überetzungen nach ISO-Norm transliteriert oder nach den Duden-Transkriptionsregeln übertragen werden. Hier eine Tabelle der verschiedenen Systeme. Welches System man nutzt, trägt man in einer Fußnote ein. Der Unterschied ist, dass das Duden-System sich nach der Aussprache richtet und uns geläufiger ist, hier kann dafür jedoch nicht immer ein russischer Buchstabe genau einem deutschen Buchstaben zugeordnet werden. Eine Rückübertragung ist deshalb schwierig. Die Übertragung nach ISO ist eindeutig, ein russischer Buchstabe entspricht nur genau einem deutschen, hierfür sind jedoch manchmal für deutsche Muttersprachler schwierig zu lesende Sonderzeichen nötig. In manchen Übersetzungen ist der Name daher zweimal übertragen: Einmal nach ISO, um für die Behörden auf der sicheren Seite zu sein, und einmal nach Duden, um die Lesbarkeit zu sichern.

Erfahrungsgemäß ist es vor allem wichtig, dass die Namen möglichst in allen Dokumenten einheiltich übersetzt werden, sonst gibt es von behördlicher Seite Schwierigkeiten.

Und Zeugnisnoten?

Klar, das russische Notensystem ist anders als das deutsche. Bei russischen Schulnoten ist normalerweise die 5 die Bestnote und die 1 die schlechteste Note, mit einer 3 hat man gerade so bestanden.

Die Notensysteme sind also kaum vergleichbar und eine direkte Umrechnung nicht möglich. Daher werden auch in beglaubigten Übersetzungen die Noten nach dem ursprünglichen System angegeben, aber eine Fußnote gemacht welche Note in diesem System die beste, welche die schlechteste und welche die unterste Bestehensnote ist.

So viel Deutsch steckt in Russisch: Entlehnungen und Internationalismen

Deutsche Entlehnungen im Russischen und Austausch zwischen den Sprachen!

Die russische Sprache steht, wie alle Sprachen, im ständigen und regen Austausch mit anderen Sprachen. Sie hat dabei Worte aus anderen Sprachen als Entlehnungen aufgenommen und Worte an andere Sprachen weitergegeben. In vielen Fällen haben die Worte dabei leicht oder vollständig ihre Bedeutung verändert, manchmal wurden sie auch einfach wörtlich übersetzt (so wurde der deutsche „Kindergarten“ zum Beispiel zum детский сад-djetskij sad). Manchmal kommen Worte aus einer Sprache auch nicht direkt in eine andere Sprache, sondern werden durch eine dritte Sprache quasi vermittelt. Die Worte танец-tanjez (Tanz) und маляр-maljar (Maler) wurden vermutlich aus dem Deutschen über das Polnische ins Russische getragen.

Internationalismen

Natürlich gibt es auch viele Internationalismen, die im Russischen genauso benutzt werden wie in den meisten anderen Sprachen. Diese haben vor allen Dingen mit der Informationstechnik zu tun, zum Beispiel Internet (интернет) oder Computer (компьютер). Auch im Sport finden sich solche Worte, zum Beispiel футбол-futbol (Fußball), гандбол-gandbol (Handball). Es gibt auch noch viele alte lateinische oder griechische Entlehnungen, die sich insgesamt in den indoeuropäischen Sprachen durchgesetzt haben und so eben auch in Russland vertreten sind. Dazu gehören zum Beispiel solche Begriffe wie энергия-energija (Energie), энциклонедия-enziklopedija (Enzyklopädie) oder элемент-element (Element). Griechische Entlehnungen wurden im Altertum oft direkt ins Russische eingebracht, lateinische eher durch Umwege über andere Sprachen in der Neuzeit. Da aber gerade Internationalismen in vielen Sprachen verwendet werden, ist es oft schwer zu sagen, aus welcher Sprache sie nun genau übernommen wurden.

Die falschen Freunde des Übersetzers

Und dann gibt es da noch die falschen Freunde des Übersetzers. Dabei handelt es sich um Worte, die in zwei Sprachen ganz ähnlich klingen, aber eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben und deshalb gerne verwechselt oder falsch übersetzt werden. Sie haben manchmal wirklich einen gemeinsamen Ursprung, aber oft klingen falsche Freunde nur zufällig gleich oder sehr ähnlich.

Im Russischen ist ein klassisches Beispiel für einen falschen Freund das Wort Doktor. Ein russischer доктор hat im Gegensatz zum deutschen Doktor bereits seine Habilitation hinter sich und kann Professor werden. Ein deutscher Doktor, also jemand, der promoviert und eine Doktorarbeit geschrieben hat, heißt im russischen кандидат наук.

Wo wir gerade bei akademischen Themen sind: Der russische академик ist nicht ein Akademiker im Sinne eines Hochschulabsolventen, sondern ein Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften. Die russische академия-akademija ist die Akademie der Wissenschaften und nicht wie im Deutschen allgemein eine Berufs- oder Fachakademie oder Militärakademie.

Ein weiteres Beispiel ist der Zentner. Im Deutschen denken wir da sofort an 50 kg. Das Wort stammt vom lateinischen „centum“ (hundert) ab. In Deutschland hat man bei der Berechnung des Zentners also an 100 Pfund gedacht. In den meisten slawischen Ländern, darunter auch Russland, und übrigens auch in der Schweiz dachte man an 100 Kilogramm. Ein russischer центнер-zentner sind also zwei Zentner bei uns.

Wie die Entlehnungen ins Russische kamen

Neben Englisch haben vor allem die französische Sprache als Hofsprache und auch die deutsche Sprache ihre Spuren im Russischen hinterlassen.

Ein wichtiger Punkt was den Einfluss anderer Sprachen, vor allem des Deutschen, auf die russische Sprache angeht war die Zarenschaft Peters des Großen. Er war bereits als junger Mann beeindruckt von den deutschen Handwerkern und Ärzten, die in besonders für ausländische Arbeiter angelegten Siedlungen (nemezkaja sloboda) lebten. Man sagt auch, dass Peter der Große inkognito nach Deutschland und Holland reiste und sich als Lehrling ausgab, um Neuentwicklungen vor allem im Schiffsbau nach Russland zu bringen.

Holländische Entlehnungen gibt es seitdem in der russischen Sprache im Bereich des Schiffsbaus, deutsche Entlehnungen zum Beispiel im Militär. So sind die militärischen Dienstgrade bis heute zum größten Teil Deutsch (генерал-general, майор-maior, лейтенант-leitenant, маршал-marschal, ефрейтор-jefreitor und viele mehr). Beim Marschieren zählt man in Russland bis heute deutsch.

In der Zeit Peters des Großen wurden aber auch in Technik und Handwerk sowie im Bildungswesen, Finanz- und Rechtswesen (zum Beispiel адвокат-advokat, der Anwalt) sowie in der Kultur (zum Beispiel гастроль-gastrol, die Gastrolle oder das Gastspiel) viele deutsche Worte übernommen.

Gerade für jemanden, der anfängt, Russisch zu lernen, ist es sehr interessant und teilweise witzig, wenn man dann in Russland unterwegs ist und plötzlich Worte hört wie бутерброд-buterbrod (Butterbrot), рюкзак-rjuksak (Rucksack), шлагбаум-schlagbaum (Schlagbaum, Schranke), вагон-wagon (Waggon) ландшафт-landschaft (Landschaft oder Landschaftsbild) oder автобан-awtoban (Autobahn). Auch geht man eventuell zum парикмахер-parikmacher (Friseur, nicht Perückenmacher! Achtung falscher Freund.) Oder man schaut sich abends ein фейерверк-feierwerk (Feuerwerk) an.

Die hier genannten Entlehnungen und falsche Freunde sind natürlich keine vollständige Auflistung, es gibt noch viele, viele mehr. Man wird sie jedoch schnell erkennen, wenn man Russisch lernt! Auch wurden mehrere Diplomarbeiten zu dem Thema geschrieben, die für ganz Interessierte und vor allem Studenten eine lohnenswerte Lektüre sind.

Die Kyrillische Schrift

Kyrillische Schrift mit Aussprache

Die erste Hürde, die man beim Russischlernen meistern muss, ist die kyrillische Schrift. Einige der Zeichen sehen genauso aus und werden so ausgesprochen wie die lateinischen, die wir jeden Tag benutzen, zum Beispiel das e, o und a. Andere wieder sind verwirrend, weil sie an lateinische Buchstaben erinnern, aber anders ausgesprochen werden. Der russische Buchstabe, der aussieht wie ein deutsches P, wird zum Beispiel wie ein R ausgesprochen. Wieder andere haben mit dem lateinischen Alphabet gar nichts zu tun. Dazu gehören zum Beispiel das я (ja) oder das ж (weiches sch).

Woher kommt der Name „kyrillische Schrift“?

Ihren Namen haben die für Westeuropäer fremdartigen Buchstaben von dem Slavenapostel Kyrill. Im 9. Jahrhundert erhielt er gemeinsam mit seinem Bruder Method den Auftrag, das Christentum unter den Slawen zu verbreiten. Die Brüder wurden für diesen Auftrag ausgewählt, da sie aus Thessaloniki im nördlichen Griechenland stammten, wo Slawen lebten. Sie beherrschten daher den dort verbreiteten südslawischen Dialekt.

Eine slawische Schrift

Ein Problem gab es allerdings noch: Die Slawen hatten zu dieser Zeit noch keine Schriftkultur. Um ihre heiligen Schriften zu verbreiten und zu lehren mussten die beiden Brüder also zunächst eine Schrift entwickeln und ihre griechisch-orthodoxen religiösen Texte in das Slawische übersetzen. Die einzelnen slawischen Sprachen unterschieden sich damals noch nicht so stak voneinander wie heute, den südslawischen Dialekt aus Thessaloniki verstanden also alle. So wie die Sprache in den Kirchentexten verwendet wurde, wurde sie dann Altkirchenslawisch genannt.
Um 860 n. Chr. begannen Kyrill und Method dann auf Auftrag des Kaisers Michael III ihre Mission zu den slawischen Chasaren. Auf Wunsch des Fürsten Rastislaw missionierten sie ab 863 auch das Großmährische Reich, eines der ersten Slawenreiche. Rastislaw versprach sich davon wohl eine kulturelle Weiterentwicklung seines Volkes und außerdem bessere Beziehungen zu den orthodoxen Byzantinern.

Die moderne kyrillische Schrift

Die von Kyrill entwickelte Schrift hatte mit der heutigen kyrillischen Schrift, wie sie zum Beispiel von Russen, Ukrainern, Weißrussen, Bulgaren und Serben benutzt wird, nicht viel gemeinsam. Sie wurde glagolitische Schrift genannt, in einigen Klöstern in Bulgarien findet man sie noch in Inschriften. Erst circa einhundert Jahre später wurde in Ostbulgarien die kyrillische Schrift, die wir heute kennen, entwickelt. Sie kommt uns deshalb teilweise bekannt und teilweise verwirrend vor, weil sie sich auf die griechische Schrift gründet, die man als Symbole aus der Mathematik und Physik kennt, und weil auch unsere lateinische Schrift auf die griechische zurückgeht.

Russisch schreiben lernen

Der erste Kommentar, wenn man erzählt, dass man Russisch kann, ist oft: „Das ist aber eine schwierige Sprache, alleine die Schrift ist ja ganz anders als unsere“.

Ja, das ist sie. Aber erinnern Sie sich daran zurück, wie Sie in der ersten Klasse die lateinische Schrift gelernt haben! Genauso wird auch die kyrillische Schrift gelernt, viel mehr Zeichen als in der deutschen Schrift gibt es ja nicht. Außerdem fällt das Schreiben einem Erwachsenen, der ja schon eine Schrift beherrscht, um einiges leichter als einem Kind, das noch gar nicht schreiben kann. Wenn man täglich übt kann man die Buchstaben nach wenigen Tagen flüssig lesen und schreiben. Insofern ist diese erste Hürde viel weniger hoch, als man im ersten Moment denkt!

Der berühmteste russische Zar und die deutsche Sprache

Foto: Pixabay

Der berühmteste russische Zar und gleichzeitig erste Kaiser des russischen Reiches war natürlich Peter der Große. Er hieß mit vollem Namen Pjotr Alexejewitsch Romanow, kam am 30. 6. 1672 im Moskauer Kreml zur Welt und starb am 28. 1. 1725 in Sankt Petersburg.

Bekannt wurde Peter der Große vor allem durch seine Politik der Reformen und Neuerungen. Er unterstützte das Unternehmertum und reformierte Militär und Schulwesen. Er führte Senat und Kollegien in der Staatsverwaltung ein, gründete staatliche Schulen und brachte die Russische Akademie der Wissenschaften auf den Weg. Vor allen Dingen war ihm wichtig, Russland nach Europa zu öffnen, von den Europäern zu lernen und auch das Leben in Russland dem europäischen Lebensstil anzunähern.

Eine der wichtigsten Leistungen Peters des Großen, die wir noch heute vor Augen haben, ist natürlich die Gründung St. Petersburgs, das von 1712 bis 1918 die russische Hauptstadt war.

Gerade die Sprachförderung war für Peter den Großen wichtig, er wollte die Literatursprache vorantreiben und den Fremdsprachenunterricht fördern.

Doch welchen Bezug hatte Peter der Große zur deutschen Sprache?

Er war ein großer Freund Deutschlands und der deutschen Handwerkskunst. Es gab bereits während Peters Jugend deutsche Handwerker, Ärzte und Angehörige weiterer Berufsgruppen in einer speziellen Siedlung bei Moskau, der Nemjezkaja sloboda. Deutsche heißen auf Russisch noch heute „nemzy“ und die deutsche Sprache „nemjezki“. Diese Bezeichnung kommt vom russischen Wort für „Stumm“. In diesen Siedlungen lebten nicht nur Deutsche, sondern auch Angehörige anderer Nationalitäten, die die russische Sprache nicht beherrschten. Daher wurden sie von der Bevölkerung nur „die Stummen“ genannt. Und diese Bezeichnung ist eben bis heute an den Deutschen haften geblieben.

Peter der Große war jedenfalls als Jugendlicher so begeistert vom Können und Wissen der Deutschen, dass er sich gern mit ihnen umgab und von ihnen lernte, unter Anderem auch die deutsche Sprache. Er nahm sogar inkognito an der Großen Gesandtschaft, die aus ihm und drei Botschaftern bestand, teil und reiste unter anderem nach Deutschland und Holland, um dort den Schiffsbau zu erlernen.

Dieses Interesse des Zaren an Deutschland und der deutschen Sprache ist natürlich nicht spurlos an der russischen Sprache vorübergegangen. Im 18. Jahrhundert kamen daher ungefähr 8500 deutsche Lehnworte in die russische Sprache! Vor allen Dingen waren es natürlich Begriffe für die Neuerungen in Verwaltung, Militär und Technik, die man einfach aus dem Deutschen übernahm.

Zwar haben sich viele der Entlehnungen aus der Zeit Peters des Großen nicht bis heute durchgesetzt und es kamen danach noch einige neue hinzu, doch es steckt bis heute viel Deutsches im Russischen. Das bemerkt man spätestens, wenn man beim Russlandaustausch von seiner Gastfamilie ein „Buterbrod“ angeboten bekommt und mit dem Auto am „Schlagbaum“ anhalten muss, wenn man zum Friseur geht, der „Parikmacher“ (Perückenmacher) heißt oder es zu Sylvester „Feierwerk“ gibt.

Eulen nach Athen tragen. Oder: Mit seinem Samowar nach Tula fahren.

Nach den Matrjoschkas ist der Samowar sozusagen das zweitbeliebteste russische Souvenir, und niemand kann sich eine traditionelle russische Teerunde ohne Samowar vorstellen. Das Wort Samowar setzt sich aus den beiden russischen Worten samo (selbst) und warit (kocht) zusammen, wörtlich übersetzt ist der Samowar also ein „Selbst-Kocher“.

Sprichwörtlich für die traditionelle russische Teemaschine steht die Stadt Tula. Statt „Eulen nach Athen tragen“ sagt man auf russisch: Mit seinem Samowar nach Tula fahren (ездить в Тулу со своим самоваром). In Tula wurden wohl im Jahre 1778 die ersten Samoware Russlands hergestellt, und zwar von den Brüdern Iwan und Nasar Lisizyn. Das Geschäft florierte, und schon wenige Jahre darauf eröffneten in Tula immer mehr Samowar-Werkstätten, berühmt sind unter Anderem die Fabriken von Morosow und Popow. Tula ist daher bis heute die Hauptstadt der Samoware. Im dortigen Samowar-Museum kann man besonders ausgefallene und wertvolle Exemplare bestaunen.

Ursprünglich beheizte man Samoware mit Holzkohle oder Petroleum, heutzutage gibt es fast nur noch elektrische Modelle. Mit dem entsprechenden Brennstoff oder Heizelement wird im Kessel des Samowar Wasser erhitzt, das man mit Hilfe eines Hahns ablassen und dazu nutzen kann, Tee zuzubereiten. Dazu setzt man eine Kanne mit sehr starkem, konzentriertem Schwarztee, der als Grundlage dient, auf den Samowar. Dieses „Teekonzentrat“ wird dann mit dem heißen Wasser aus dem Kessel vermischt und getrunken. So kann bei einer echt russischen Teerunde jeder den Tee in genau der Stärke mischen, die er bevorzugt.

Der russische „Dichterfürst“

Der berühmteste und einflussreichste russische Schriftsteller ist ohne Zweifel Alexander Sergejewitsch Puschkin (26. 6. 1799-29. 1. 1837). Er hat die russische Sprache nachhaltig geprägt, gerade die Umgangssprache. Viele spätere russische Schriftsteller orientierten sich an Puschkin. Der Beginn des 19. Jahrhunderts wird deshalb auch als das Goldene Zeitalter der russischen Literatur bezeichnet.

Herkunft und Jugend

Puschkin war der Sohn eines Gardeoffiziers, Sergei Lwowowitsch Puschkin, und Nadeschda Ossipownas. Väterlicherseits stammte er somit aus einem alten russischen Adelsgeschlecht, und mütterlicherseits von Hannibal, einem Afrikanischen Sklaven, der Peter dem Großen geschenkt worden war, ab. Puschkin war gerade auf seinen afrikanischen Urgroßvater sehr stolz und ehrte ihn mit der Novelle „Der Mohr des Zaren“.

Seine Schulbildung erhielt der junge Puschkin im Lyzeum Zarskoe Selo, das mittlerweile nach ihm benannt ist. Er interessierte sich bereits als Jugendlicher für Literatur und schrieb bereits während seiner Zeit im Lyzeum, das er im Alter von 17 Jahren abschloss, Gedichte.

Versetzung in den Kaukasus und Exil

Puschkin war ein lebhafter, lebenslustiger junger Mann mit einem ausgeprägten Widerstandsgeist und dem Drang, gegen Altes und Angestaubtes anzukämpfen. Mit Autoritäten tat er sich recht schwer, und so fiel er denn auch bei seiner ersten Anstellung als Kollegiensekretär am Petersburger Kollegium für Auswärtige Angelegenheiten durch Spottgedichte negativ auf und entging nur knapp der Verbannung nach Sibirien. Stattdessen wurde er in den Kaukasus versetzt, der ihm zusätzliche Inspiration bot. Er sagte selbst, dass die Wiege seines Eugen Onegin (der Hauptfigur des gleichnamigen Romans in Versen) im Kaukasus stünde.

Schon bald wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und lebte eine Zeitlang im Exil auf dem Gut Michailowskoe bei Pskow, das seinen Eltern gehörte. Erst nachdem der Zar Alexander der 1. gestorben war und nach einer Audienz bei dessen Nachfolger Nikolaus 1. durfte Puschkin wieder in St. Petersburg leben und arbeiten, seine Werke wurden allerdings aufmerksam kontrolliert und unterlagen einer strengen Zensur. Dies lag unter anderem daran, dass Puschkin der Dekabristenbewegung nahestand, auch wenn er selbst nicht dazugehörte.

1831 kam es zur Hochzeit mit Natalja Gontscharowna, mit der Puschkin auch vier Kinder hatte. Das Paar nahm am Leben am Zarenhof teil.

Puschkins Ende

Leider wurde zum Problem, dass der französische Gardeoffizier Georges d’Anthes recht eindeutig in der Öffentlichkeit um Natalja Gontscharowna warb und bald Gerüchte aufkamen, Natalja würde Puschkin betrügen. Dafür gab es für Puschkin nur einen Ausweg: Er musste d’Anthes zum Duell herausfordern. Puschkin hatte bereits einige Duelle bestritten, zu dieser Zeit waren sie in Russland zwar verboten, aber dennoch ein recht häufig angewandtes Mittel, um seine Ehre zu verteidigen. Selbstverständlich mussten Duelle aber heimlich stattfinden.

In diesem Duell mit d’Anthes allerdings wurde Puschkin schwer verwundet und starb einen Tag darauf unter großen Schmerzen an einem Bauchschuss.

Puschkins Gedichte jedoch sind, genauso wie seine Dramen, Novellen und Märchen, unvergessen.

Eine kleine Auswahl Puschkins berühmtester Werke:

Gedichte:

Der eherne Reiter

Exegi Monumentum

An***

Ich liebte Sie

Romane in Versen:

Eugen Onegin

Märchen:

Das Märchen vom Zaren Saltan

Das Märchen vom goldenen Hahn

Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken

Dramen:

Die „Kleinen Tragödien“

  • Mozart und Salieri
  • Der Steinerne Gast
  • Das Gelage während der Pest
  • Der Geizige Ritter

Boris Godunow

Erzählungen:

Die Geschichten des verstorbenen Ivan Petrowitsch Belkin

Pique Dame

Matrjoschkas

Natürlich muss der erste Post zur russischen Kultur auf meiner Seite einer über Matrjoschkas sein. Matrjoschkas sind für alle Touristen das russische Souvenir überhaupt und jeder assoziiert Russland mit den bunten Steckpuppen aus Holz.

Die zusammensteckbaren Puppen gibt es bereits seit den 1890-er Jahren. Der Künstler Sergei Maljutin entwickelte sie wohl gemeinsam mit dem Drechsler Wasili Swjosdotschkin für eine Moskauer Werkstatt, die Lernspielzeug für Kinder herstellte. Das Vorbild für diese Art Puppen war vermutlich eine japanische Schachtelpuppe, die einen japanischen Gelehrten darstellte und bereits aus mehreren ineinander gesteckten Holzpuppen bestand.

Der Name Matrjoschka wurde wohl gewählt, weil Matrjona (Matrjoscha) Ende des 19. Jahrhunderts ein sehr beliebter Frauenname in Russland war. Außerdem ist Matrjona und damit auch Matrjoscha oder Matrjoschka eine Verniedlichungsform des russischen Worts für Mutter – mat‘. Die erste Matrjoschka stellte eine Bäuerin im traditionellen russischen Kleid und Kopftuch mit einer schwarzen Katze auf dem Schoß dar und bestand aus acht Puppen. Heute gibt es die gedrechselten Holzpuppen jedoch in jeder Form und Größe, sie können 3, 4, 7, oder mehr Puppen beinhalten und nicht selten sind auf ihnen auch Politiker abgebildet.