Michail Lomonossow – Pionier und Universalgelehrter

Lomonossow - ein russischer Universalgelehrter und berühmter Wissenschaftler. Sprachen Mescheder
Denkmal Lomonossows vor der nach ihm benannten Universität in Moskau

Lomonossows Geschichte ist eine, die vielen Menschen als traumhaft erscheint: Es ist die Geschichte eines Fischersohnes, der zu einem berühmten Wissenschaftler und Universalgelehrten wurde. Er verfasste die erste russische Grammatik, entdeckte den Lomonossow-Effekt und war Mitbegründer der Staatlichen Universität Moskau, die auch nach ihm benannt wurde.

Kindheit und Jugend

Geboren wurde Lomonossow am 8. 11. 1711 (julianischer Kalender)/ 19. 11. 1711 (gegorianischer Kalender). Er kam im Dorf Mischaninskaja in der Oblast Archangelsk zur Welt. Als junger, kräftiger und gelehriger Mann sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten und dessen Fischerboot übernehmen. Lomonossow begann auch bereits früh, seinen Vater bei der Arbeit zu unterstützen und auf dem Boot mitzufahren, sollte aber auch Bildung erhalten, um das Geschäft des Vaters später möglichst gut führen zu können. Unterrichtet wurde er vom Küster der örtlichen Kirche.

Lomonossow war sehr wissbegierig, und ganz entgegen den Hoffnungen seines Vaters wollte er um jeden Preis weiterlernen. 1730 verließ er heimlich seine Familie, um zu Fuß die 1000 km bis Moskau zurückzulegen und dort zu studieren. Er bekam ein mageres Stipendium für die geistliche Akademie, doch bereits vier Jahre später wurde er gemeinsam mit mehreren Kommilitonen an die Akademie der Wissenschaften nach St. Petersburg gesandt.

Lomonossow in Deutschland

Seine Studienaufenthalte in Marburg und Freiberg, durch die Lomonossow bis heute in Deutschland bekannt ist, fanden in den Jahren 1736 bis 1741 statt.

In Marburg studierte Lomonossow Philosophie, Mathematik, Physik und Chemie, unter anderem bei dem berühmten Philosophen Christian Wolff. 1739 ging er nach Freiberg, um dort ein Jahr lang Bergbau und Hüttenwesen zu studieren. Er kehrte dann für ein weiteres Jahr nach Marburg zurück, studierte weiter dort und heiratete. Das Haus, in dem er in der Marburger Oberstadt gelebt hat, kann man noch heute besichtigen.

Wissenschaftliche Arbeit in Russland

1741 kehrte Lomonossow nach St. Petersburg zurück, seine Frau mit dem gemeinsamen Kind folgte zwei Jahre später. In St. Petersburg schrieb er seine Doktorarbeit und unterrichtete in einem von ihm selbst eingerichteten Forschungslabor. Lomonossow beschäftigte sich allerdings nicht nur mit Naturwissenschaft, er war auch ein sehr produktiver Dichter und Literat.

Genau in die Zeit in St. Petersburg fallen Lomonossows größte Leistungen: Er verfasste 1757 die erste russische Grammatik, 1761 beobachtete er während eines Venustransits einen Lichtring um den Planeten (Lomonossow-Effekt) und leitete aus dieser Beobachtung ab, dass die Venus eine Atmosphäre haben müsse. Auch war er einer der Begründer des Gesetzes der Massenerhaltung (Lomonossow-Lavoisier-Gesetz). Die Universität Moskau, die bis heute Lomonossows Namen trägt, wurde 1755 unter seiner Mitwirkung gegründet.

Im April 1765 starb Lomonossow schließlich in St. Petersburg.

Lebenswerk

Lomonossow trieb durch seine herausragende Arbeit die Wissenschaft voran, indem er nicht zuletzt auch den Unterricht reformierte und Russisch als Unterrichtssprache propagierte. Er war der erste russische Wissenschaftler von Weltrang und verbreitete vor allem die Metallurgie, Geologie und Meteorologie in Russland. Vielen gilt er sogar als Begründer der russischen Wissenschaft, denn er lieferte die ersten russischen Arbeiten in vielen Wissenschaftsbereichen. Vor seiner Zeit war Wissenschaft in Russland eher Sache ausländischer Experten.

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Kreml, die russischen Stadtfestungen

Der Pskover Kreml
Der Pskover Kreml

Das Wort Kreml hat gleich drei Bedeutungen. Meist assoziiert man es direkt mit der russischen Regierung, oft hört man Sätze wie „Der Kreml teilt diese Auffassung nicht.“ oder „Der Kreml hat entschieden,…“. Manchmal ist damit aber auch das Kremlgebäude oder vielmehr der Gebäudekomplex in Moskau gemeint.

Die Geschichte

Einem Russlandreisenden oder russlandinteressierten Menschen fällt aber schnell auf, dass es in fast jeder alten russischen Stadt einen Kreml gibt. Eigentlich sind sie einfach so etwas wie eine Stadtfestung oder Stadtburg.

Der Ursprung des Worts selbst ist unklar, es könnte vom griechischen Wort kremnos für ein steiles Ufer stammen. Die Bedeutung könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die Festungsmauern ursprünglich aus Baumstämmen gemacht waren, früher bedeutete Kreml auch besonders dichter Wald.

Kreml sind die Zentren alter russischer Städte, die durch Mauern und Befestigungsanlagen geschützt waren. Innerhalb der Mauern befanden sich die wichtigsten Gebäude der Stadt wie zum Beispiel Verwaltungsgebäude und Kirchen, aber auch Munitionslager oder Werkstätten. Die noch erhaltenen Kreml stammen teilweise aus dem 15. Jahrhundert und dienen heute meist als Museum.

Der Moskauer Kreml

Der bekannteste und auch einer der ältesten Kreml ist natürlich der in Moskau. Befestigte Anlagen an dem Ort, an dem er heute steht, gab es vermutlich bereits im 12. Jahrhundert.

Viele Jahrhunderte bestanden die Anlagen aus Holz, daher sind sie in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr erhalten und wurden mehrmals von Feinden niedergebrannt, denn der Moskauer Kreml war bereits im Mittelalter ein wichtiges Machtzentrum. Im 14. Jahrhundert wurde die Bauweise geändert, er wurde unter Fürst Iwan Kalita neu aufgebaut und erhielt so schon fast seine heutige Struktur und als Feuerschutz mit Ton verkleidete Holzmauern, die dann bald nach dem Tod des Fürsten und nachdem sie bei einem Großfeuer doch niedergebrannt waren durch weiße Kalksteinmauern ersetzt wurden.

Ende des 15. Jahrhunderts, unter Fürst Iwan III., nahm der Moskauer Kreml dann die Gestalt an, die wir heute kennen. Die Mauern waren jedoch noch bis ins 19. Jahrhundert weiß angestrichen.

Besonders interessant sind natürlich die Gebäude innerhalb der Mauern.

Die Verwaltungsgebäude, die heute genutzt werden, sind recht neu, der staatliche Palast zum Beispiel wurde 1960 erst erbaut. Der Senatspalast sowie der große Palast stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das älteste und auch eines der bekanntesten Gebäude ist die Mariä-Entschlafens-Kathedrale oder Uspenskij Sobor, sie wurde bereits im 15. Jahrhundert erbaut. Aus dieser Zeit stammt auch der Facettenpalast, das älteste profane Gebäude Moskaus.

Der große Glockenturm Iwan der Große wurde dann zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut.

Dies ist jedoch nur eine kleine Auswahl der Sehenswürdigkeiten des Kremls. Für einen interessierten Besucher reicht ein Tag fast nicht aus um die vielen Kirchen und Paläste mit ihren wunderschönen Sälen zu besichtigen.

Und in anderen Städten?

Natürlich sind auch die Kreml anderer alter russischer Städte sehenswert. Der in Weliki Nowgorod, der oft auch Detinez genannt wird, ist eine Rundburg aus roten Ziegeln und Kalkstein. Auch er beinhaltet mehrere Kirchen und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Sehr bekannt ist ebenfalls der Kreml von Pskow, der weiße Mauern hat und vermutlich noch älter als der Moskauer Kreml ist.

Ikonen: Viel mehr als Heiligenbildchen

Eine Ikone, wie man sie zuhause in der krasnyj ugol (schönen Ecke) aufgestellt hat

Ikonen sind aus der orthodoxen Kirche nicht wegzudenken und eines der wichtigsten russischen Kulturgüter überhaupt. Auf ihnen sind Heilige, die Jungfrau Maria mit dem Kind, die Dreifaltigkeit, Jesus Christus oder ganze Geschichten aus der Bibel als Bildergeschichten abgebildet.

Was sind Ikonen?

In den meisten Fällen bestehen Ikonen aus mit Eitemperafarben bemaltem Lindenholz. Die Figuren sind immer beschriftet (meist in Altkirchenslawisch), damit der Bezug zu dem jeweiligen Heiligen nicht verloren gehen kann. Ikonen werden in der Orthodoxie verehrt. Sie stellen eine Art Fenster oder Brücke zu dem Glaubensinhalt dar, der abgebildet ist und auf den man sich in seiner Verehrung bezieht. Die Verehrung sieht dabei so aus, dass man sich vor der Ikone bekreuzigt, verneigt und sie küsst. Oft zündet man neben ihr auch Kerzen an.

Neben den großen, historischen oder modernen Ikonen, die man auf den Ikonostasen in den Kirchen finden kann, gibt es auch kleine Ikonen, die jeder kaufen und mit nach hause nehmen kann. In alten russischen Häusern war eine Ecke, die sogenannte „schöne Ecke“ (krasnyj ugol), den Ikonen und damit der Verehrung der Heiligen vorbehalten. Diese Tradition pflegen gläubigen orthodoxen Christen auch heute noch. Meist wählt man die „schöne Ecke“ so, dass man während des Gebets nach Osten blickt.

Die Geschichte

Eine besonders wichtige Rolle in der Orthodoxie spielen natürlich die historischen Ikonen. Die ältesten von ihnen brachte Fürst Wladimir 1., der die Orthodoxie in der Kiewer Rus 988 einführte, aus Byzanz mit. Auch später noch importierte man Ikonen, eine der wichtigsten davon ist die Ikone der Gottesmutter von Wladimir. Sie wurde 1155 in die Stadt Wladimir gebracht, später wurde sie in der Uspenskij-Kathedrale in Moskau ausgestellt. Um sie ranken sich zahlreiche Legenden, heutzutage ist sie russisches Nationalheiligtum und man kann sie in der Museumskirche der Tretjakow-Galerie in Moskau besichtigen.

Die Ikonenmalerei in Russland selbst begann im 12. Jahrhundert in Weliki Nowgorod, auch in Jaroslawl gab es bedeutende Schulen. Vor allen Dingen jedoch sind drei Dörfer, in denen es Ikonenmalereischulen der Altgläubigen gab, wichtige Zentren der russischen Ikonenkunst: Palech, Mstjora und Cholui.

Der wichtigste Ikonenmaler Russlands war Andrej Rubljow. Er lebte von ca. 1360 bis 1430 in Moskau und prägte vor allen Dingen die Darstellung der Dreifaltigkeit auf den russischen Ikonen. Seine bekannteste Dreifaltigkeitsikone ist heute ebenfalls in der Tretjakow-Galerie ausgestellt.

Der Baikal: Einzigartiger Naturraum in Russland

Der Baikal

Der Baikal in Sibirien zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe. Was jedoch macht ihn so besonders?

Der See

Der Baikalsee hat mehrere Rekorde inne. Er ist mit 1642 m. der tiefste und mit einem Alter von 25.000 Jahren auch der älteste Süßwassersee der Erde. Noch dazu beinhaltet er über 23.000 m³ Wasser, was ein Fünftel der Süßwasserreserven der Welt ausmacht. Auch seine Insel- und Halbinsellandschaft ist sehenswert. Wie viele Inseln und Inselchen es genau sind, ist nicht geklärt. Aber es gibt 22 größere Inseln, von denen Olchon am Westufer die größte ist.

Der Name „Baikal“ kommt aus der Burjatischen Sprache, wo der See „Bajgal Nuur“ heißt, was soviel bedeutet wie „reicher See“. Die Burjaten sind ein mongolischer Volksstamm, der ursprünglich in diesem Gebiet gesiedelt hat. Die heutige Republik Burjatien liegt im Südwesten des Sees.

Der Baikal als Reiseziel

Der Baikal ist ein lohnendes Ziel für Touristen, gerade was Umwelttourismus angeht. Die Natur am Baikal ist einmalig, so gibt es dort einige Naturparks und immer wieder Umweltschutzprojekte. Das Wasser ist glasklar und zeichnet sich durch eine sehr gute Wasserqualität aus.

Man sollte wissen, dass die riesige Wassermasse im See auch das Klima beeinflusst. Im Winter ist es dort etwa 10°C wärmer, im Sommer um 10°C kühler als im Umland. Wer angenehmes Badeklima möchte, sollte den Baikal unbedingt im Juli oder August besuchen, die dort die wärmsten Monate sind.

Schutz des Ökosystems

Man muss auch erwähnen, dass die Infrastruktur am Baikal noch immer schlecht entwickelt ist und es dort auch Umweltprobleme gibt. Zwar ist der Baikal alles andere als von Touristen überlaufen, doch das Ökosystem rund um den See ist bedroht. Der Müll, den die Touristen hinterlassen, kann wegen der mangelnden Infrastruktur nur schwer entfernt werden. Die Industrie (vor allen Dingen das Papier- und Zellulosewerk am Südufer) verschmutzt das Wasser. Auch werden an den Zuflüssen mehr und mehr Staudämme gebaut. Gemeinsam mit den geringen Niederschlägen hat dies gerade in den letzten Jahren zu einem gefährlich niedrigen Wasserstand geführt.

Es gibt allerdings auch zahlreiche Initiativen, das Ökosystem rund um den See zu schützen, denn es ist einzigartig und absolut schützenswert. Dadurch, dass der See so alt ist, haben sich dort viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Zu ihnen zählen zum Beispiel die einzige ausschließlich in Süßwasser lebende Robbenart, die Baikalrobbe, sowie die Fischarten Omul und Golumjanka. Wobei die Golumjanka von allen Süßwasserfischen in den größten Wassertiefen lebt. Alles in Allem leben am Baikal ungefähr 1500 solcher endemischer Tierarten.

(Foto: Bild von jacqueline macou auf Pixabay)

Slawische und Westeuropäische Sprachen

Wer sich mit der Geschichte der Sprachen beschäftigt, entdeckt die Verwandtschat zwischen den slawischen  und den westeuropäischen Sprachen.

Slawische und westeuropäische Sprachen sind miteinander verwandt. Sie gehören zu den indoeuropäischen Sprachen und gehen somit nach aktuellem Stand der Wissenschaft auf einen gemeinsamen Ursprung, die urindoeuropäische Sprache, zurück. Diese wird natürlich nicht mehr gesprochen, aber aus den heute noch bestehenden indoeuropäischen Sprachen können wir sie größtenteils rekonstruieren.

Die heutigen indoeuropäischen Sprachen

Die indoeuropäischen Sprachen sind mit weitem Abstand die Sprachen, die am meisten gesprochen werden. Man schätzt, dass ca. drei Milliarden Menschen eine indoeuropäische Sprache sprechen!

Viele indoeuropäische Sprachen sind bereits wieder ausgestorben, zum Beispiel die anatolischen Sprachen, zu denen auch das Hethitisch gehörte. Auch viele der gälischen Sprachen und das Gotische sind ausgestorben.

Der Stammbaum der indoeuropäischen Sprachen ist bis heute also sehr weit verzweigt. Zu ihnen gehören zum Beispiel die romanischen Sprachen Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Französisch, die auf das Latein und somit die italische Sprachgruppe zurückgehen. Deutsch und Englisch gehören zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen. Zu den germanischen Sprachen gehören auch die skandinavischen Sprachen Dänisch, Norwegisch und Isländisch.

Aus dem indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen sind die zahlreichen indischen Sprachen und die iranischen Sprachen hervorgegangen.

Ein Zweig der indoeuropäischen Sprachen ist auch das Balto-Slawische, aus dem einerseits die baltischen Sprachen Litauisch und Lettisch hervorgegangen sind, aber auch die slawischen Sprachen.

Die slawischen Sprachen wiederum lassen sich in Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch), Südslawisch (zum Beispiel Bulgarisch, Serbokroatisch) und Westslawisch (zum Beispiel Tschechisch, Polnisch und Sorbisch) einteilen.

Woran hört man die Verwandtschaft der slawischen zu den westeuropäischen Sprachen?

Die Sprachen haben sich nicht einfach so voneinander abgegrenzt, sondern der Lautwandel unterlag Gesetzmäßigkeiten. Aufgrund dieser Lautgesetze kann man auch die urindoeuropäischen Wortwurzeln rekonstruieren.

So gilt zum Beispiel, dass in den sawischen Sprachen die Fließlaute (Liquide) L und R umgestellt wurden (Liquidametathese), also mit dem Vokal vor ihnen den Platz tauschten. Im Russischen kam dann in der Regel die Polnoglasie, also der Volllaut hinzu, sodass vor dem Liquid wieder ein Vokal ergänzt wurde.

Ein Beispiel hierfür ist das russische Wort moloko für Milch. Im Polnischen heißt es mleko und im Tschechischen mléko, den Volllaut vor dem L gibt es nur im Russischen. In den westeuropäischen Sprachen wurde das L nicht umgestellt, sodass zuerst der Vokal und dann das L kommt wie in milk und Milch. Und im Urindoeuropäischen? Da kann man die Form *melk rekonstruieren.

Und was hat der englische guard und der deutsche Garten mit der russischen Stadt (gorod) zu tun? Genau, vermutlich gab es eine urindoeuropäische Form *gard. In den slawischen Sprachen kristallisierte sich die Bedeutung „Burg“ und auch „Stadt“ heraus, vermutlich war ursprünglich ein umfriedeter Bereich gemeint. Im Polnischen hieß Burg früher gród, im Tschechischen hrad. Heute heißt Stadt im Tschechischen grad. Im Russischen kam dann noch der Volllaut dazu, sodass gorod daraus wurde. In den westeuropäischen Sprachen wurde das R nicht umgestellt, aber die Bedeutung hat sich geändert. Unser deutscher Garten und der englische guard haben dieselbe Wurzel.

Außerdem ist auch Karl der Große in den slawischen Sprachen verewigt, nur wurde auch hier gemäß der Liquidametathese das R nach vorne verlegt. Auf Tschechisch heißt König daher král und auf Polnisch król. Auf Russisch kam der Vollaut dazu, sodass König hier korol heißt.

Warum sollte man die Sprachgeschichte lernen?

Studenten müssen in den ersten Semestern die Sprachgeschichte und auch zum Teil die Beziehungen zwischen den Sprachen kennen lernen. Zum einen natürlich, weil sie dieses Wissen eventuell brauchen, wenn sie später einmal in die Forschung gehen, zum anderen aber auch, weil man sich einen Sprache viel einfacher und viel schneller erschließen kann, wenn man die Grundprinzipien ihrer Entstehung kennt. Wenn man weiß, woher ein Wort stammt und wie es gebildet wurde, wird man es nicht mehr vergessen. Und auch in der Grammatik gibt es plötzlich keine Ausnahmen mehr, sondern alte Deklinationsmuster, die erhalten geblieben sind.

Wer mehr erfahren möchte und vielleicht gerade über ein Slawistikstudium nachdenkt, kann hier gerne weiterlesen.

Die Basiliuskathedrale

Die Basiliuskathedrale

Wie kein anderes Bauwerk ist sie zum Symbol für Moskau und Russland selbst geworden: die Basiliuskathedrale. Sie befindet sich direkt neben dem Kreml am Roten Platz, ist sicherlich eines der beliebtesten Fotomotive in Moskau und gehört zum UNESCO-Welterbe.

Eigentlich heißt sie aber gar nicht Basiliuskathedrale. Offiziell heißt sie Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben.

Geschichte der Basiliuskathedrale

Ursprünglich stand dort, wo die Basiliuskathedrale jetzt steht, die aus Holz gebaute Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Sie wurde 1552 im Auftrag Iwan des Schrecklichen als Denkmal für den Sieg der russischen Armee über die Tataren in Kasan errichtet. Da dieser Sieg über die Tataren eben am Tag des Orthodoxen Festes Mariä Schutz und Fürbitte stattfand, wurde die 1558 erbaute, steinerne Kathedrale offiziell nach diesem Feiertag benannt. Basiliuskathedrale nennt man sie im Volksmund, weil sie über dem Grab Basilius des Seligen errichtet wurde.

Der Architekt der Kathedrale war vermutlich Postnik Jakowlew aus Pskow. Ob noch ein weiterer Architekt namens Barma daran beteiligt war oder ob dies gar nur der Spitzname von Postnik Jakowlew war, ist ungeklärt.

Architektur und Baustil

Was den Architekturstil der Kathedrale betrifft, so vereinigt sie sowohl russische als auch europäische Elemente in sich. Im Ganzen besteht sie aus neun Kirchen, von denen jede eine eigene Kuppel hat. Im Zentrum befindet sich die eigentliche Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche mit der goldenen Kuppel. Quadratisch um sie herum sind acht weitere Kirchen angeordnet, die für die acht wichtigsten Schlachten um Kasan stehen.

Die Kathedrale besteht aus zwei Etagen. In der unteren liegt das Grab von Basilius dem Seligen und die Basiliuskapelle darüber. In der oberen Etage befinden sich die neun Kirchen mit ihren Kuppeln.

Natürlich wurde die Kirche, die im Unterschied zu den meisten anderen orthodoxen Kirchen nicht weiß bemalt ist, über die Jahrhunderte mehrmals renoviert und verändert. Denn zu Beginn war sie weiß bemalt und alle Kuppeln waren golden, wie bei den meisten orthodoxen Kirchen.

Als Reiseziel:

Ein Tipp für besondere Fotos der Kathedrale: Sie steht schräg zum roten Platz und sieht daher auf den meisten Fotos, die den Blick vom Roten Platz aus einfangen, asymmetrisch und chaotisch aus. Dies ist zwar auch der bekannteste Blickwinkel auf die Kathedrale, wenn man sie jedoch von Westen, mit der Kremlmauer im Rücken, fotografiert, kommt ihre Symmetrie erst heraus.

Gottesdienste finden in der Basiliuskathedrale übrigens nicht statt, sie ist Teil des Staatlichen Museums für Geschichte und man kann sie besichtigen.

Beglaubigte Übersetzungen

Was man über beglaubigte Übersetzungen wissen muss

Wenn man in ein Land einwandert, braucht man einige beglaubigte Übersetzungen von Dokumenten. Möchte man zum Beispiel, dass der Studien- oder Ausbildungsabschluss anerkannt wird, müssen die Zeugnisse beglaubigt übersetzt werden. Möchte man im Ausland heiraten, muss man die hierfür geforderten Dokumente wie Geburtsurkunde, Inlandspass und Ehefähigkeitszeugnis bzw. Ledigkeitsbescheinigung in beglaubigter Übersetzung vorlegen.

Wer kann eine beglaubigte Übersetzung anfertigen?

Beglaubigte Übersetzungen für deutsche Behörden dürfen nur in Deutschland allgemein beeidigte bzw. ermächtigte Übersetzer anfertigen. Eine Lister beeidigter Übersetzer finden Sie unter justiz-dolmetscher.de oder auch auf den Homepages der Landgerichte.

Wodurch unterscheidet sich eine beglaubigte Übersetzung von einer allgemeinen?

Eine Beglaubigte Übersetzung trägt die Überschrift „beglaubigte Übersetzung aus der… Sprache“. Außerdem ist sie vom Übersetzer gestempelt und der unterschriebene Beglaubigungsvermerk des Übersetzers ist angeheftet. Bei einer Beglaubigten Übersetzung sollten auch die Seiten nummeriert sein und sie müssen so zusammengeheftet und geknickt sein, dass der Stempel des Übersetzers über alle Seiten (auch den Beglaubigungsvermerk) geht.

Die genauen Vorgaben unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Für Bayern gibt es einen Leitfaden mit Empfehlungen.

Wie überträgt man Namen aus dem Russischen?

Laut den Empfehlungen für Bayern sollen Namen bei beglaubigten Überetzungen nach ISO-Norm transliteriert oder nach den Duden-Transkriptionsregeln übertragen werden. Hier eine Tabelle der verschiedenen Systeme. Welches System man nutzt, trägt man in einer Fußnote ein. Der Unterschied ist, dass das Duden-System sich nach der Aussprache richtet und uns geläufiger ist, hier kann dafür jedoch nicht immer ein russischer Buchstabe genau einem deutschen Buchstaben zugeordnet werden. Eine Rückübertragung ist deshalb schwierig. Die Übertragung nach ISO ist eindeutig, ein russischer Buchstabe entspricht nur genau einem deutschen, hierfür sind jedoch manchmal für deutsche Muttersprachler schwierig zu lesende Sonderzeichen nötig. In manchen Übersetzungen ist der Name daher zweimal übertragen: Einmal nach ISO, um für die Behörden auf der sicheren Seite zu sein, und einmal nach Duden, um die Lesbarkeit zu sichern.

Erfahrungsgemäß ist es vor allem wichtig, dass die Namen möglichst in allen Dokumenten einheiltich übersetzt werden, sonst gibt es von behördlicher Seite Schwierigkeiten.

Und Zeugnisnoten?

Klar, das russische Notensystem ist anders als das deutsche. Bei russischen Schulnoten ist normalerweise die 5 die Bestnote und die 1 die schlechteste Note, mit einer 3 hat man gerade so bestanden.

Die Notensysteme sind also kaum vergleichbar und eine direkte Umrechnung nicht möglich. Daher werden auch in beglaubigten Übersetzungen die Noten nach dem ursprünglichen System angegeben, aber eine Fußnote gemacht welche Note in diesem System die beste, welche die schlechteste und welche die unterste Bestehensnote ist.

So viel Deutsch steckt in Russisch: Entlehnungen und Internationalismen

Deutsche Entlehnungen im Russischen und Austausch zwischen den Sprachen!

Die russische Sprache steht, wie alle Sprachen, im ständigen und regen Austausch mit anderen Sprachen. Sie hat dabei Worte aus anderen Sprachen als Entlehnungen aufgenommen und Worte an andere Sprachen weitergegeben. In vielen Fällen haben die Worte dabei leicht oder vollständig ihre Bedeutung verändert, manchmal wurden sie auch einfach wörtlich übersetzt (so wurde der deutsche „Kindergarten“ zum Beispiel zum детский сад-djetskij sad). Manchmal kommen Worte aus einer Sprache auch nicht direkt in eine andere Sprache, sondern werden durch eine dritte Sprache quasi vermittelt. Die Worte танец-tanjez (Tanz) und маляр-maljar (Maler) wurden vermutlich aus dem Deutschen über das Polnische ins Russische getragen.

Internationalismen

Natürlich gibt es auch viele Internationalismen, die im Russischen genauso benutzt werden wie in den meisten anderen Sprachen. Diese haben vor allen Dingen mit der Informationstechnik zu tun, zum Beispiel Internet (интернет) oder Computer (компьютер). Auch im Sport finden sich solche Worte, zum Beispiel футбол-futbol (Fußball), гандбол-gandbol (Handball). Es gibt auch noch viele alte lateinische oder griechische Entlehnungen, die sich insgesamt in den indoeuropäischen Sprachen durchgesetzt haben und so eben auch in Russland vertreten sind. Dazu gehören zum Beispiel solche Begriffe wie энергия-energija (Energie), энциклонедия-enziklopedija (Enzyklopädie) oder элемент-element (Element). Griechische Entlehnungen wurden im Altertum oft direkt ins Russische eingebracht, lateinische eher durch Umwege über andere Sprachen in der Neuzeit. Da aber gerade Internationalismen in vielen Sprachen verwendet werden, ist es oft schwer zu sagen, aus welcher Sprache sie nun genau übernommen wurden.

Die falschen Freunde des Übersetzers

Und dann gibt es da noch die falschen Freunde des Übersetzers. Dabei handelt es sich um Worte, die in zwei Sprachen ganz ähnlich klingen, aber eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben und deshalb gerne verwechselt oder falsch übersetzt werden. Sie haben manchmal wirklich einen gemeinsamen Ursprung, aber oft klingen falsche Freunde nur zufällig gleich oder sehr ähnlich.

Im Russischen ist ein klassisches Beispiel für einen falschen Freund das Wort Doktor. Ein russischer доктор hat im Gegensatz zum deutschen Doktor bereits seine Habilitation hinter sich und kann Professor werden. Ein deutscher Doktor, also jemand, der promoviert und eine Doktorarbeit geschrieben hat, heißt im russischen кандидат наук.

Wo wir gerade bei akademischen Themen sind: Der russische академик ist nicht ein Akademiker im Sinne eines Hochschulabsolventen, sondern ein Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften. Die russische академия-akademija ist die Akademie der Wissenschaften und nicht wie im Deutschen allgemein eine Berufs- oder Fachakademie oder Militärakademie.

Ein weiteres Beispiel ist der Zentner. Im Deutschen denken wir da sofort an 50 kg. Das Wort stammt vom lateinischen „centum“ (hundert) ab. In Deutschland hat man bei der Berechnung des Zentners also an 100 Pfund gedacht. In den meisten slawischen Ländern, darunter auch Russland, und übrigens auch in der Schweiz dachte man an 100 Kilogramm. Ein russischer центнер-zentner sind also zwei Zentner bei uns.

Wie die Entlehnungen ins Russische kamen

Neben Englisch haben vor allem die französische Sprache als Hofsprache und auch die deutsche Sprache ihre Spuren im Russischen hinterlassen.

Ein wichtiger Punkt was den Einfluss anderer Sprachen, vor allem des Deutschen, auf die russische Sprache angeht war die Zarenschaft Peters des Großen. Er war bereits als junger Mann beeindruckt von den deutschen Handwerkern und Ärzten, die in besonders für ausländische Arbeiter angelegten Siedlungen (nemezkaja sloboda) lebten. Man sagt auch, dass Peter der Große inkognito nach Deutschland und Holland reiste und sich als Lehrling ausgab, um Neuentwicklungen vor allem im Schiffsbau nach Russland zu bringen.

Holländische Entlehnungen gibt es seitdem in der russischen Sprache im Bereich des Schiffsbaus, deutsche Entlehnungen zum Beispiel im Militär. So sind die militärischen Dienstgrade bis heute zum größten Teil Deutsch (генерал-general, майор-maior, лейтенант-leitenant, маршал-marschal, ефрейтор-jefreitor und viele mehr). Beim Marschieren zählt man in Russland bis heute deutsch.

In der Zeit Peters des Großen wurden aber auch in Technik und Handwerk sowie im Bildungswesen, Finanz- und Rechtswesen (zum Beispiel адвокат-advokat, der Anwalt) sowie in der Kultur (zum Beispiel гастроль-gastrol, die Gastrolle oder das Gastspiel) viele deutsche Worte übernommen.

Gerade für jemanden, der anfängt, Russisch zu lernen, ist es sehr interessant und teilweise witzig, wenn man dann in Russland unterwegs ist und plötzlich Worte hört wie бутерброд-buterbrod (Butterbrot), рюкзак-rjuksak (Rucksack), шлагбаум-schlagbaum (Schlagbaum, Schranke), вагон-wagon (Waggon) ландшафт-landschaft (Landschaft oder Landschaftsbild) oder автобан-awtoban (Autobahn). Auch geht man eventuell zum парикмахер-parikmacher (Friseur, nicht Perückenmacher! Achtung falscher Freund.) Oder man schaut sich abends ein фейерверк-feierwerk (Feuerwerk) an.

Die hier genannten Entlehnungen und falsche Freunde sind natürlich keine vollständige Auflistung, es gibt noch viele, viele mehr. Man wird sie jedoch schnell erkennen, wenn man Russisch lernt! Auch wurden mehrere Diplomarbeiten zu dem Thema geschrieben, die für ganz Interessierte und vor allem Studenten eine lohnenswerte Lektüre sind.

Die Kyrillische Schrift

Kyrillische Schrift mit Aussprache

Die erste Hürde, die man beim Russischlernen meistern muss, ist die kyrillische Schrift. Einige der Zeichen sehen genauso aus und werden so ausgesprochen wie die lateinischen, die wir jeden Tag benutzen, zum Beispiel das e, o und a. Andere wieder sind verwirrend, weil sie an lateinische Buchstaben erinnern, aber anders ausgesprochen werden. Der russische Buchstabe, der aussieht wie ein deutsches P, wird zum Beispiel wie ein R ausgesprochen. Wieder andere haben mit dem lateinischen Alphabet gar nichts zu tun. Dazu gehören zum Beispiel das я (ja) oder das ж (weiches sch).

Woher kommt der Name „kyrillische Schrift“?

Ihren Namen haben die für Westeuropäer fremdartigen Buchstaben von dem Slavenapostel Kyrill. Im 9. Jahrhundert erhielt er gemeinsam mit seinem Bruder Method den Auftrag, das Christentum unter den Slawen zu verbreiten. Die Brüder wurden für diesen Auftrag ausgewählt, da sie aus Thessaloniki im nördlichen Griechenland stammten, wo Slawen lebten. Sie beherrschten daher den dort verbreiteten südslawischen Dialekt.

Eine slawische Schrift

Ein Problem gab es allerdings noch: Die Slawen hatten zu dieser Zeit noch keine Schriftkultur. Um ihre heiligen Schriften zu verbreiten und zu lehren mussten die beiden Brüder also zunächst eine Schrift entwickeln und ihre griechisch-orthodoxen religiösen Texte in das Slawische übersetzen. Die einzelnen slawischen Sprachen unterschieden sich damals noch nicht so stak voneinander wie heute, den südslawischen Dialekt aus Thessaloniki verstanden also alle. So wie die Sprache in den Kirchentexten verwendet wurde, wurde sie dann Altkirchenslawisch genannt.
Um 860 n. Chr. begannen Kyrill und Method dann auf Auftrag des Kaisers Michael III ihre Mission zu den slawischen Chasaren. Auf Wunsch des Fürsten Rastislaw missionierten sie ab 863 auch das Großmährische Reich, eines der ersten Slawenreiche. Rastislaw versprach sich davon wohl eine kulturelle Weiterentwicklung seines Volkes und außerdem bessere Beziehungen zu den orthodoxen Byzantinern.

Die moderne kyrillische Schrift

Die von Kyrill entwickelte Schrift hatte mit der heutigen kyrillischen Schrift, wie sie zum Beispiel von Russen, Ukrainern, Weißrussen, Bulgaren und Serben benutzt wird, nicht viel gemeinsam. Sie wurde glagolitische Schrift genannt, in einigen Klöstern in Bulgarien findet man sie noch in Inschriften. Erst circa einhundert Jahre später wurde in Ostbulgarien die kyrillische Schrift, die wir heute kennen, entwickelt. Sie kommt uns deshalb teilweise bekannt und teilweise verwirrend vor, weil sie sich auf die griechische Schrift gründet, die man als Symbole aus der Mathematik und Physik kennt, und weil auch unsere lateinische Schrift auf die griechische zurückgeht.

Russisch schreiben lernen

Der erste Kommentar, wenn man erzählt, dass man Russisch kann, ist oft: „Das ist aber eine schwierige Sprache, alleine die Schrift ist ja ganz anders als unsere“.

Ja, das ist sie. Aber erinnern Sie sich daran zurück, wie Sie in der ersten Klasse die lateinische Schrift gelernt haben! Genauso wird auch die kyrillische Schrift gelernt, viel mehr Zeichen als in der deutschen Schrift gibt es ja nicht. Außerdem fällt das Schreiben einem Erwachsenen, der ja schon eine Schrift beherrscht, um einiges leichter als einem Kind, das noch gar nicht schreiben kann. Wenn man täglich übt kann man die Buchstaben nach wenigen Tagen flüssig lesen und schreiben. Insofern ist diese erste Hürde viel weniger hoch, als man im ersten Moment denkt!

Der berühmteste russische Zar und die deutsche Sprache

Foto: Pixabay

Der berühmteste russische Zar und gleichzeitig erste Kaiser des russischen Reiches war natürlich Peter der Große. Er hieß mit vollem Namen Pjotr Alexejewitsch Romanow, kam am 30. 6. 1672 im Moskauer Kreml zur Welt und starb am 28. 1. 1725 in Sankt Petersburg.

Bekannt wurde Peter der Große vor allem durch seine Politik der Reformen und Neuerungen. Er unterstützte das Unternehmertum und reformierte Militär und Schulwesen. Er führte Senat und Kollegien in der Staatsverwaltung ein, gründete staatliche Schulen und brachte die Russische Akademie der Wissenschaften auf den Weg. Vor allen Dingen war ihm wichtig, Russland nach Europa zu öffnen, von den Europäern zu lernen und auch das Leben in Russland dem europäischen Lebensstil anzunähern.

Eine der wichtigsten Leistungen Peters des Großen, die wir noch heute vor Augen haben, ist natürlich die Gründung St. Petersburgs, das von 1712 bis 1918 die russische Hauptstadt war.

Gerade die Sprachförderung war für Peter den Großen wichtig, er wollte die Literatursprache vorantreiben und den Fremdsprachenunterricht fördern.

Doch welchen Bezug hatte Peter der Große zur deutschen Sprache?

Er war ein großer Freund Deutschlands und der deutschen Handwerkskunst. Es gab bereits während Peters Jugend deutsche Handwerker, Ärzte und Angehörige weiterer Berufsgruppen in einer speziellen Siedlung bei Moskau, der Nemjezkaja sloboda. Deutsche heißen auf Russisch noch heute „nemzy“ und die deutsche Sprache „nemjezki“. Diese Bezeichnung kommt vom russischen Wort für „Stumm“. In diesen Siedlungen lebten nicht nur Deutsche, sondern auch Angehörige anderer Nationalitäten, die die russische Sprache nicht beherrschten. Daher wurden sie von der Bevölkerung nur „die Stummen“ genannt. Und diese Bezeichnung ist eben bis heute an den Deutschen haften geblieben.

Peter der Große war jedenfalls als Jugendlicher so begeistert vom Können und Wissen der Deutschen, dass er sich gern mit ihnen umgab und von ihnen lernte, unter Anderem auch die deutsche Sprache. Er nahm sogar inkognito an der Großen Gesandtschaft, die aus ihm und drei Botschaftern bestand, teil und reiste unter anderem nach Deutschland und Holland, um dort den Schiffsbau zu erlernen.

Dieses Interesse des Zaren an Deutschland und der deutschen Sprache ist natürlich nicht spurlos an der russischen Sprache vorübergegangen. Im 18. Jahrhundert kamen daher ungefähr 8500 deutsche Lehnworte in die russische Sprache! Vor allen Dingen waren es natürlich Begriffe für die Neuerungen in Verwaltung, Militär und Technik, die man einfach aus dem Deutschen übernahm.

Zwar haben sich viele der Entlehnungen aus der Zeit Peters des Großen nicht bis heute durchgesetzt und es kamen danach noch einige neue hinzu, doch es steckt bis heute viel Deutsches im Russischen. Das bemerkt man spätestens, wenn man beim Russlandaustausch von seiner Gastfamilie ein „Buterbrod“ angeboten bekommt und mit dem Auto am „Schlagbaum“ anhalten muss, wenn man zum Friseur geht, der „Parikmacher“ (Perückenmacher) heißt oder es zu Sylvester „Feierwerk“ gibt.