Checkliste für beglaubigte Übersetzungen

Checkliste für beglaubigte Übersetzungen
Wichtig für Behörden und Beruf: Beglaubigte Übersetzungen

Oft ist es echt anstrengend, Behörden zufriedenzustellen. Das gilt auch für Übersetzungen. Wer blickt schon immer genau durch, was gebraucht wird und welche Vorgaben erfüllt werden müssen?

Der Weg zum Ziel führt, wie so oft, über die Kommunikation. Kommunizieren Sie mit der Behörde bzw. dem für Sie zuständigen Sachbearbeiter. Und kommunizieren Sie mit Ihrem Übersetzer und teilen Sie diesem mit, was Sie genau benötigen.

Der folgenden Punkte sind aus meiner Erfahrung die, bei denen es besonders oft zu Nachfragen oder Schwierigkeiten im Nachhinein kommt.

Dies sollten Sie unbedingt abklären, bevor Sie Ihre beglaubigte Übersetzung anfertigen lassen:

  • Brauchen wirklich alle Dokumente eine Beglaubigung? Klären Sie dies mit den zuständigen Behörden ab. In der Regel können Sie Kosten für die Übersetzungen sparen, wenn diese nicht beglaubigt sein müssen.
  • Für welche Behörde in welchem Land brauche ich die Übersetzung? In der Regel werden nur beglaubigte Übersetzungen von Übersetzern akzeptiert, die im jeweiligen Land beeidigt sind.
  • Welche Dokumente müssen mit Apostille abgegeben werden? Fragen Sie auch hier bei den Behörden nach. Die Apostille muss von der zuständigen Stelle in dem Land ausgestellt werden, in dem auch das Dokument ausgestellt wurde. Konsulate helfen hier und sind der richtige Ansprechpartner. Die Apostille muss auch mit übersetzt werden.
  • Habe ich bereits übersetzte Dokumente? Wie wurden Namen (Personen-, aber auch Ortsnamen) hier übertragen? Es ist wichtig, dass Namen in allen Dokumenten einheitlich übertragen wurden.
  • Wer trägt die Kosten? Wenn es sich um Dokumente handelt, die für die Ausübung Ihres Berufs und die Anerkennung Ihres Abschlusses wichtig sind, fragen Sie beim Jobcenter nach. Zumindest ein Teil der Kosten für die Übersetzung kann in der Regel übernommen werden.
  • Ist eine Überbeglaubigung der Übersetzung durch ein Landgericht erforderlich?
  • Muss das Originaldokument unlösbar an die Übersetzung angefügt werden?

Wenn Sie eine beglaubigte Übersetzung brauchen oder weitere Fragen zum Thema haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!

Lernmaterialien für den Sprachunterricht richtig organisieren

Lernmaterialen: Block und Stifte
Foto: Pixabay

Wir lernen heute viel am PC oder Laptop oder nutzen Smartphone-Apps. Trotzdem sind traditionelle Lernmaterialien nicht ganz aus der Mode gekommen: Bücher, Blöcke oder Ordner werden noch immer fleißig genutzt. Und das ist auch gut so. Um sie effektiv nutzen zu können und so eben auch effektiv lernen zu können, sollte man sie effizient organisieren.

Schule, Ausbildung und Studium

Gerade in der Schule ist viel ja schon durch die Schule und Lehrer vorgegeben. In höheren Klassen kann man sich aber etwas freier organisieren, in Ausbildung und Studium dann sowieso.

Und wir wissen es alle, bei den meisten Azubis und Studis artet das in grandioses Chaos aus. Ich war auch eine von diesen Schülerinnen, die sich mit Loseblattsammlungen und wild durcheinander beschriebenen Collegeblöcken durch die Oberstufe gekämpft hat. Den Lehrern war es egal, solange man ein Klausurheft hatte (und oft genug war schon das ein Problem). Prinzipiell sollte man ja auch aus der Grundschule wissen, wie es geht. Aber das Kinderspiel mit den unterschiedlich farbigen Ordnern mag man eben nicht mehr unbedingt und seinen eigenen Weg hat man mit dem pubertierenden Gehirn noch nicht gefunden.

Ich finde das mit den College-Blöcken auch gar nicht schlecht. Man kann Arbeitsblätter einfach hineinlegen und hat immer Papier für Notizen dabei. Es gibt nur eine Regel zu beachten: Was im College-Block aufgeschrieben wird sollte je nach Fach sortiert sein (schlimmstenfalls helfen Büroklammern oder Post-its). Und am besten nach jeder Stunde in einen Schnellhefter für das jeweilige Fach geheftet werden.

Seinen eigenen Weg mit den Lernmaterialien finden

Sich Hefte für jedes Fach anzuschaffen ist auch in höheren Klassen und der weiterführenden Ausbildung keine schlechte Idee, ich persönlich finde aber, dass sie ein arg enger Rahmen sind. Bis zur Oberstufe ist das auch super und notwendig, aber danach sind die Hefte einfach ständig voll. Einen zusätzlichen Schnellhefter für Arbeitsblätter braucht man sowieso, wenn man die nicht jedes Mal aufwändig einkleben möchte. Warum also nicht gleich alle Arbeitsblätter mit den zugehörigen Notizen zusammen in einen Ordner oder Schnellhefter für das entsprechende Fach packen?

Wie der Schnellhefter aussieht, hängt ein bisschen von dem Fach, den persönlichen Vorlieben und der Menge an Arbeitsblättern ab. Ich zum Beispiel liebe Ringbücher, denn sie bieten die maximale Flexibilität. Mittlerweile gibt es auch leichte Varianten, die man bequem mitnehmen kann. Ich hatte später auch immer einen schmalen Locher dabei, falls mal ein Arbeitsblatt nicht vom Lehrer gelocht war.

Wer auf Hefte schwört: Warum nicht alle Hefte und Arbeitsblätter in einen Eckspanner für ein Fach zusammenpacken? Da passt für den Sprachunterricht auch noch das Workbook und das Vokabelheft rein und man hat alles zusammen.

Kleiner Tipp noch von mir: Einmal im Monat ausmisten. Also alle Notizen und Arbeitsblätter, die man aktuell nicht braucht, in einen großen Ordner für das Schuljahr/Seminar/Ausbildungsjahr packen.

Thema Vokabelheft

Ich sage es gleich offen und ehrlich: Ich bin Gegner von Vokabelheften. Zum einen werden sie, weil nervig und Vokabellisten in allen Lehrbüchern sowieso vorhanden, normalerweise schlampig geführt. Macht man Rechtschreibfehler dabei, prägt man sich die auch gleich noch ein. Und meistens ist für Beispielsätze oder Synonyme, wie sie mittlerweile sinnvollerweise in der Schule gelehrt und abgefragt werden, gar kein Platz darin. Außerdem: haben sie mal in einem beliebigen Deutsch-Englischen Wörterbuch das Wort „geben“ nachgeschlagen? Sie wären erstaunt, wie viele verschieden Bedeutungen es gibt. Wie soll man die in ein Vokabelheft packen und welche brauche ich jetzt gerade?

Wenn also ein Vokabelheft, dann bitte eines, das groß genug ist und wenigstens eine Spalte für Beispielsätze hat. Nur im Kontext speichert das Gehirn Vokabeln wirklich ab! Und nur im Kontext lernt man die richtige Bedeutung. Ansonsten ist es eher sinnvoll, Vokabeln nicht in einem Heft zu sammeln (Wörterbücher gibt es genug) sondern anhand der Texte, die man gerade liest, mit der entsprechenden Bedeutung zu lernen. Man kann sich für aktuelle Texte aus dem Schulbuch zum Beispiel eine Vokabelliste anlegen und die Vokabeln auch im Text markieren. Dafür kann man den Text zur Not vorher kopieren.

Wer echte Probleme beim Vokabeln Lernen hat oder gerne einmal den Überblick verliert, welche schon gelernt sind und welche noch nicht, der ist mit einem Karteikasten gut beraten.

Erwachsenenbildung: mit den Lernmaterialien effektives Lernen gestalten

In der Erwachsenenbildung ist der Rahmen nicht so eng gesteckt und man kann sich flexibler organisieren. Schön ist, wenn man einen Ordner für Arbeitsblätter und Übungen bzw. Hausaufgaben hat. Was sich auch empfiehlt ist, Grammatikregeln gesondert aufzuschreiben. Da sie oft stückweise gelehrt werden und dann erst die Anwendung geübt wird, eignet sich hierfür am besten ein Ringbuch, damit man Seiten ergänzen kann. Das Ringbuch kann man mit Trennblättern oder post-its markieren, damit man sich schnell zurechtfindet. Nicht vergessen: Grammatik ist weit mehr als einzelne Regeln, sie ist ein System! Und das sollte man mit Hilfe des Ringbuchs Stück für Stück entdecken.

Gut ist es, wenn man mit Texten, die man liest, wirklich effektiv arbeitet. Also sie öfter wiederholt und laut vorliest und die Vokabeln im Text markiert, mit Beispielsätzen notiert und lernt. Später bei längeren Texten empfiehlt es sich auch, eine kleine Zusammenfassung zum Text zu schreiben. Vielleicht korrigiert der Lehrer diese ja sogar?

Welche Lernmaterialien und Lernhilfen brauche ich wirklich?

Eine gute Frage. Das Angebot an Schnellgrammatiken, Drehscheiben für englische unregelmäßige Verben und Lehrbüchern kann einen schon erschlagen.

Wer einen Kurs besucht oder sogar noch in Schule oder Ausbildung ist, sollte bei der Lehrerin/dem Lehrer nachfragen und sich auf deren/dessen Tipps verlassen. Im Unterricht sind in der Regel ganz bestimmte Inhalte und Vokabeln gefragt. Der Lehrer weiß da am besten, was gebraucht wird und welche Zusatzmaterialien es eventuell zum verwendeten Lehrwerk gibt.

Verlage bringen oft ganze Serien mit passendem Zusatzmaterial für unterschiedliche Niveaustufen heraus, an denen man sich orientieren kann. Bevor man viel Geld investiert, sollte man unbedingt Kommentare und Rezensionen lesen. Vielleicht kann man ja das Ein- oder Andere auch gebraucht bekommen oder ausleihen?

Worauf man definitiv achten sollte ist, dass die Lehrwerke, mit denen man arbeitet, praxisorientiert sind. Es gibt Bücher, die für die Arbeit in einem Kurs mit mehreren Teilnehmern und einem Lehrer gedacht sind (hier kann man viele Übungen nicht alleine machen) und solche, die zum selbstlernen gedacht sind. Viele landeskundliche Informationen und Audiodateien sind in jedem Fall ein Qualitätsmerkmal! Genauso auch die Aktualität der Bücher. Sprache ändert sich so schnell, dass es immer die aktuelle Auflage sein sollte.

Gerade am Anfang ist auch eine übersichtliche Schnellgrammatik, die man für wenig Geld bekommt, eine sinnvolle Anschaffung. Hier kann man benötigte Grammatikregeln und -formen schnell finden und hat das System übersichtlich vor Augen. Ansonsten ist für die vertiefte Übung der Grammatik eine Praxisgrammatik mit vielen Beispielen und Übungen eine gute Sache. Da kann man sich auch gezielt das Thema aussuchen, das man gerade braucht bzw. womit man gerade Schwierigkeiten hat.

Vorgefertigte Karteikästen sind nur dann eine sinnvolle Anschaffung, wenn sie zu dem Lehrwerk, mit dem man arbeitet, passen. Ansonsten fehlt zu den Vokabeln der Kontext und das Lernen ergibt wenig Sinn. Wer nicht gerade eine Sprache studiert, braucht sich heutzutage auch nicht mehr unbedingt ein Wörterbuch anzuschaffen. Für den Hausgebrauch reichen die gängigen online-Wörterbücher und Apps aus.

So, das waren jetzt also meine Tipps rund um die Lernmaterialien zum Sprachenlernen. Viel Spaß beim Lernen und Entdecken!

Das kyrillische Alphabet schnell und einfach lernen

kyrillische Buchstaben

Das kyrillische Alphabet wird von vielen deutschen Muttersprachlern als eine große Hürde empfunden, Russisch zu lernen. Dabei ist es längst nicht so schwierig, wie man denkt!

Wie sollte man anfangen?

Vorweg: Das kyrillische Alphabet ist viel weniger schwer zu lernen und eine viel kleinere Hürde auf dem Weg zum Spracherwerb, als man denkt. Genauso wie unser lateinisches Alphabet ist es aus dem griechischen entstanden, viele Zeichen sind daher sehr ähnlich. Das russische Alphabet hat auch nicht viel mehr Zeichen als unser deutsches: gerade einmal 32. Es ist also nicht so, als müsste man tausende von Schriftzeichen lernen wie im Chinesischen… Und es ist ja auch spannend. Wie einen Code zu lernen, den man schnell entziffern kann.

Natürlich ist und bleibt es so, dass man das Schreiben von grundauf neu lernen muss. So, wie wir das in der ersten Klasse gemacht haben. Man fängt also mit einfachen Buchstabenverbindungen an und schreibt zeilenweise einfache Worte. Wer es zuhause versuchen möchte, kann es gerne mit meinem YouTube-Schreibkurs probieren.

Es ist aber auch ein verständlicher Wunsch, sich zuerst einmal auf das Lesen zu konzentrieren (wobei man das Schreiben aber nicht vergessen darf). Dabei sollte man mit einfachen, kurzen Worten, Namen, internationalen und alltäglichen Worten anfangen. Eben mit allem, was sich schnell und einfach erschließt. Hier ein kleiner Einstieg:

Und so sieht es aus:

das kyrillische Alphabet

Mit dem Alphabet kann man jetzt erste Worte und Namen entziffern! Hier ein paar zum üben (Aussprache findet ihr unten):

да, нет, мама, Анна, Люба, Олег, Карл, Борис, Виктор, телефон, Интернет, футбол

Und noch ein paar Beispiele aus einer russischen Stadt:

Je mehr man liest, desto einfacher wird es und je mehr man schreibt, desto schneller und leichter geht das Schreiben von der Hand. Ich wünsche allen Anfängern viel Spaß beim Lernen!

Für mehr Übungen und Unterrichtsstunden kann man mich gerne kontaktieren. Ich helfe jederzeit gerne beim Lernen.

Hier noch die Aussprache der Worte aus der ersten Übung: da, njet, Mama, Anna, Ljuba, Oleg, Karl, Boris, Viktor, Telefon, Internet, Futbol (Fußball)

Kreml, die russischen Stadtfestungen

Der Pskover Kreml
Der Pskover Kreml

Das Wort Kreml hat gleich drei Bedeutungen. Meist assoziiert man es direkt mit der russischen Regierung, oft hört man Sätze wie „Der Kreml teilt diese Auffassung nicht.“ oder „Der Kreml hat entschieden,…“. Manchmal ist damit aber auch das Kremlgebäude oder vielmehr der Gebäudekomplex in Moskau gemeint.

Die Geschichte

Einem Russlandreisenden oder russlandinteressierten Menschen fällt aber schnell auf, dass es in fast jeder alten russischen Stadt einen Kreml gibt. Eigentlich sind sie einfach so etwas wie eine Stadtfestung oder Stadtburg.

Der Ursprung des Worts selbst ist unklar, es könnte vom griechischen Wort kremnos für ein steiles Ufer stammen. Die Bedeutung könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die Festungsmauern ursprünglich aus Baumstämmen gemacht waren, früher bedeutete Kreml auch besonders dichter Wald.

Kreml sind die Zentren alter russischer Städte, die durch Mauern und Befestigungsanlagen geschützt waren. Innerhalb der Mauern befanden sich die wichtigsten Gebäude der Stadt wie zum Beispiel Verwaltungsgebäude und Kirchen, aber auch Munitionslager oder Werkstätten. Die noch erhaltenen Kreml stammen teilweise aus dem 15. Jahrhundert und dienen heute meist als Museum.

Der Moskauer Kreml

Der bekannteste und auch einer der ältesten Kreml ist natürlich der in Moskau. Befestigte Anlagen an dem Ort, an dem er heute steht, gab es vermutlich bereits im 12. Jahrhundert.

Viele Jahrhunderte bestanden die Anlagen aus Holz, daher sind sie in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr erhalten und wurden mehrmals von Feinden niedergebrannt, denn der Moskauer Kreml war bereits im Mittelalter ein wichtiges Machtzentrum. Im 14. Jahrhundert wurde die Bauweise geändert, er wurde unter Fürst Iwan Kalita neu aufgebaut und erhielt so schon fast seine heutige Struktur und als Feuerschutz mit Ton verkleidete Holzmauern, die dann bald nach dem Tod des Fürsten und nachdem sie bei einem Großfeuer doch niedergebrannt waren durch weiße Kalksteinmauern ersetzt wurden.

Ende des 15. Jahrhunderts, unter Fürst Iwan III., nahm der Moskauer Kreml dann die Gestalt an, die wir heute kennen. Die Mauern waren jedoch noch bis ins 19. Jahrhundert weiß angestrichen.

Besonders interessant sind natürlich die Gebäude innerhalb der Mauern.

Die Verwaltungsgebäude, die heute genutzt werden, sind recht neu, der staatliche Palast zum Beispiel wurde 1960 erst erbaut. Der Senatspalast sowie der große Palast stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das älteste und auch eines der bekanntesten Gebäude ist die Mariä-Entschlafens-Kathedrale oder Uspenskij Sobor, sie wurde bereits im 15. Jahrhundert erbaut. Aus dieser Zeit stammt auch der Facettenpalast, das älteste profane Gebäude Moskaus.

Der große Glockenturm Iwan der Große wurde dann zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut.

Dies ist jedoch nur eine kleine Auswahl der Sehenswürdigkeiten des Kremls. Für einen interessierten Besucher reicht ein Tag fast nicht aus um die vielen Kirchen und Paläste mit ihren wunderschönen Sälen zu besichtigen.

Und in anderen Städten?

Natürlich sind auch die Kreml anderer alter russischer Städte sehenswert. Der in Weliki Nowgorod, der oft auch Detinez genannt wird, ist eine Rundburg aus roten Ziegeln und Kalkstein. Auch er beinhaltet mehrere Kirchen und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Sehr bekannt ist ebenfalls der Kreml von Pskow, der weiße Mauern hat und vermutlich noch älter als der Moskauer Kreml ist.

Ikonen: Viel mehr als Heiligenbildchen

Eine Ikone, wie man sie zuhause in der krasnyj ugol (schönen Ecke) aufgestellt hat

Ikonen sind aus der orthodoxen Kirche nicht wegzudenken und eines der wichtigsten russischen Kulturgüter überhaupt. Auf ihnen sind Heilige, die Jungfrau Maria mit dem Kind, die Dreifaltigkeit, Jesus Christus oder ganze Geschichten aus der Bibel als Bildergeschichten abgebildet.

Was sind Ikonen?

In den meisten Fällen bestehen Ikonen aus mit Eitemperafarben bemaltem Lindenholz. Die Figuren sind immer beschriftet (meist in Altkirchenslawisch), damit der Bezug zu dem jeweiligen Heiligen nicht verloren gehen kann. Ikonen werden in der Orthodoxie verehrt. Sie stellen eine Art Fenster oder Brücke zu dem Glaubensinhalt dar, der abgebildet ist und auf den man sich in seiner Verehrung bezieht. Die Verehrung sieht dabei so aus, dass man sich vor der Ikone bekreuzigt, verneigt und sie küsst. Oft zündet man neben ihr auch Kerzen an.

Neben den großen, historischen oder modernen Ikonen, die man auf den Ikonostasen in den Kirchen finden kann, gibt es auch kleine Ikonen, die jeder kaufen und mit nach hause nehmen kann. In alten russischen Häusern war eine Ecke, die sogenannte „schöne Ecke“ (krasnyj ugol), den Ikonen und damit der Verehrung der Heiligen vorbehalten. Diese Tradition pflegen gläubigen orthodoxen Christen auch heute noch. Meist wählt man die „schöne Ecke“ so, dass man während des Gebets nach Osten blickt.

Die Geschichte

Eine besonders wichtige Rolle in der Orthodoxie spielen natürlich die historischen Ikonen. Die ältesten von ihnen brachte Fürst Wladimir 1., der die Orthodoxie in der Kiewer Rus 988 einführte, aus Byzanz mit. Auch später noch importierte man Ikonen, eine der wichtigsten davon ist die Ikone der Gottesmutter von Wladimir. Sie wurde 1155 in die Stadt Wladimir gebracht, später wurde sie in der Uspenskij-Kathedrale in Moskau ausgestellt. Um sie ranken sich zahlreiche Legenden, heutzutage ist sie russisches Nationalheiligtum und man kann sie in der Museumskirche der Tretjakow-Galerie in Moskau besichtigen.

Die Ikonenmalerei in Russland selbst begann im 12. Jahrhundert in Weliki Nowgorod, auch in Jaroslawl gab es bedeutende Schulen. Vor allen Dingen jedoch sind drei Dörfer, in denen es Ikonenmalereischulen der Altgläubigen gab, wichtige Zentren der russischen Ikonenkunst: Palech, Mstjora und Cholui.

Der wichtigste Ikonenmaler Russlands war Andrej Rubljow. Er lebte von ca. 1360 bis 1430 in Moskau und prägte vor allen Dingen die Darstellung der Dreifaltigkeit auf den russischen Ikonen. Seine bekannteste Dreifaltigkeitsikone ist heute ebenfalls in der Tretjakow-Galerie ausgestellt.

Der Baikal: Einzigartiger Naturraum in Russland

Der Baikal

Der Baikal in Sibirien zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe. Was jedoch macht ihn so besonders?

Der See

Der Baikalsee hat mehrere Rekorde inne. Er ist mit 1642 m. der tiefste und mit einem Alter von 25.000 Jahren auch der älteste Süßwassersee der Erde. Noch dazu beinhaltet er über 23.000 m³ Wasser, was ein Fünftel der Süßwasserreserven der Welt ausmacht. Auch seine Insel- und Halbinsellandschaft ist sehenswert. Wie viele Inseln und Inselchen es genau sind, ist nicht geklärt. Aber es gibt 22 größere Inseln, von denen Olchon am Westufer die größte ist.

Der Name „Baikal“ kommt aus der Burjatischen Sprache, wo der See „Bajgal Nuur“ heißt, was soviel bedeutet wie „reicher See“. Die Burjaten sind ein mongolischer Volksstamm, der ursprünglich in diesem Gebiet gesiedelt hat. Die heutige Republik Burjatien liegt im Südwesten des Sees.

Der Baikal als Reiseziel

Der Baikal ist ein lohnendes Ziel für Touristen, gerade was Umwelttourismus angeht. Die Natur am Baikal ist einmalig, so gibt es dort einige Naturparks und immer wieder Umweltschutzprojekte. Das Wasser ist glasklar und zeichnet sich durch eine sehr gute Wasserqualität aus.

Man sollte wissen, dass die riesige Wassermasse im See auch das Klima beeinflusst. Im Winter ist es dort etwa 10°C wärmer, im Sommer um 10°C kühler als im Umland. Wer angenehmes Badeklima möchte, sollte den Baikal unbedingt im Juli oder August besuchen, die dort die wärmsten Monate sind.

Schutz des Ökosystems

Man muss auch erwähnen, dass die Infrastruktur am Baikal noch immer schlecht entwickelt ist und es dort auch Umweltprobleme gibt. Zwar ist der Baikal alles andere als von Touristen überlaufen, doch das Ökosystem rund um den See ist bedroht. Der Müll, den die Touristen hinterlassen, kann wegen der mangelnden Infrastruktur nur schwer entfernt werden. Die Industrie (vor allen Dingen das Papier- und Zellulosewerk am Südufer) verschmutzt das Wasser. Auch werden an den Zuflüssen mehr und mehr Staudämme gebaut. Gemeinsam mit den geringen Niederschlägen hat dies gerade in den letzten Jahren zu einem gefährlich niedrigen Wasserstand geführt.

Es gibt allerdings auch zahlreiche Initiativen, das Ökosystem rund um den See zu schützen, denn es ist einzigartig und absolut schützenswert. Dadurch, dass der See so alt ist, haben sich dort viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Zu ihnen zählen zum Beispiel die einzige ausschließlich in Süßwasser lebende Robbenart, die Baikalrobbe, sowie die Fischarten Omul und Golumjanka. Wobei die Golumjanka von allen Süßwasserfischen in den größten Wassertiefen lebt. Alles in Allem leben am Baikal ungefähr 1500 solcher endemischer Tierarten.

(Foto: Bild von jacqueline macou auf Pixabay)

Slawische und westeuropäische Sprachen

Wer sich mit der Geschichte der Sprachen beschäftigt, entdeckt die Verwandtschat zwischen den slawischen  und den westeuropäischen Sprachen.

Slawische und westeuropäische Sprachen sind miteinander verwandt. Sie gehören zu den indoeuropäischen Sprachen und gehen somit nach aktuellem Stand der Wissenschaft auf einen gemeinsamen Ursprung, die urindoeuropäische Sprache, zurück. Diese wird natürlich nicht mehr gesprochen, aber aus den heute noch bestehenden indoeuropäischen Sprachen können wir sie größtenteils rekonstruieren.

Die heutigen indoeuropäischen Sprachen

Die indoeuropäischen Sprachen sind mit weitem Abstand die Sprachen, die am meisten gesprochen werden. Man schätzt, dass ca. drei Milliarden Menschen eine indoeuropäische Sprache sprechen!

Viele indoeuropäische Sprachen sind bereits wieder ausgestorben, zum Beispiel die anatolischen Sprachen, zu denen auch das Hethitisch gehörte. Auch viele der gälischen Sprachen und das Gotische sind ausgestorben.

Der Stammbaum der indoeuropäischen Sprachen ist bis heute also sehr weit verzweigt. Zu ihnen gehören zum Beispiel die romanischen Sprachen Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Französisch, die auf das Latein und somit die italische Sprachgruppe zurückgehen. Deutsch und Englisch gehören zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen. Zu den germanischen Sprachen gehören auch die skandinavischen Sprachen Dänisch, Norwegisch und Isländisch.

Aus dem indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen sind die zahlreichen indischen Sprachen und die iranischen Sprachen hervorgegangen.

Ein Zweig der indoeuropäischen Sprachen ist auch das Balto-Slawische, aus dem einerseits die baltischen Sprachen Litauisch und Lettisch hervorgegangen sind, aber auch die slawischen Sprachen.

Die slawischen Sprachen wiederum lassen sich in Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch), Südslawisch (zum Beispiel Bulgarisch, Serbokroatisch) und Westslawisch (zum Beispiel Tschechisch, Polnisch und Sorbisch) einteilen.

Woran hört man die Verwandtschaft der slawischen zu den westeuropäischen Sprachen?

Die Sprachen haben sich nicht einfach so voneinander abgegrenzt, sondern der Lautwandel unterlag Gesetzmäßigkeiten. Aufgrund dieser Lautgesetze kann man auch die urindoeuropäischen Wortwurzeln rekonstruieren.

So gilt zum Beispiel, dass in den sawischen Sprachen die Fließlaute (Liquide) L und R umgestellt wurden (Liquidametathese), also mit dem Vokal vor ihnen den Platz tauschten. Im Russischen kam dann in der Regel die Polnoglasie, also der Volllaut hinzu, sodass vor dem Liquid wieder ein Vokal ergänzt wurde.

Ein Beispiel hierfür ist das russische Wort moloko für Milch. Im Polnischen heißt es mleko und im Tschechischen mléko, den Volllaut vor dem L gibt es nur im Russischen. In den westeuropäischen Sprachen wurde das L nicht umgestellt, sodass zuerst der Vokal und dann das L kommt wie in milk und Milch. Und im Urindoeuropäischen? Da kann man die Form *melk rekonstruieren.

Und was hat der englische guard und der deutsche Garten mit der russischen Stadt (gorod) zu tun? Genau, vermutlich gab es eine urindoeuropäische Form *gard. In den slawischen Sprachen kristallisierte sich die Bedeutung „Burg“ und auch „Stadt“ heraus, vermutlich war ursprünglich ein umfriedeter Bereich gemeint. Im Polnischen hieß Burg früher gród, im Tschechischen hrad. Heute heißt Stadt im Tschechischen grad. Im Russischen kam dann noch der Volllaut dazu, sodass gorod daraus wurde. In den westeuropäischen Sprachen wurde das R nicht umgestellt, aber die Bedeutung hat sich geändert. Unser deutscher Garten und der englische guard haben dieselbe Wurzel.

Außerdem ist auch Karl der Große in den slawischen Sprachen verewigt, nur wurde auch hier gemäß der Liquidametathese das R nach vorne verlegt. Auf Tschechisch heißt König daher král und auf Polnisch król. Auf Russisch kam der Vollaut dazu, sodass König hier korol heißt.

Warum sollte man die Sprachgeschichte lernen?

Studenten müssen in den ersten Semestern die Sprachgeschichte und auch zum Teil die Beziehungen zwischen den Sprachen kennen lernen. Zum einen natürlich, weil sie dieses Wissen eventuell brauchen, wenn sie später einmal in die Forschung gehen, zum anderen aber auch, weil man sich einen Sprache viel einfacher und viel schneller erschließen kann, wenn man die Grundprinzipien ihrer Entstehung kennt. Wenn man weiß, woher ein Wort stammt und wie es gebildet wurde, wird man es nicht mehr vergessen. Und auch in der Grammatik gibt es plötzlich keine Ausnahmen mehr, sondern alte Deklinationsmuster, die erhalten geblieben sind.

Wer mehr erfahren möchte und vielleicht gerade über ein Slawistikstudium nachdenkt, kann hier gerne weiterlesen.

Die Basiliuskathedrale

Die Basiliuskathedrale

Wie kein anderes Bauwerk ist sie zum Symbol für Moskau und Russland selbst geworden: die Basiliuskathedrale. Sie befindet sich direkt neben dem Kreml am Roten Platz, ist sicherlich eines der beliebtesten Fotomotive in Moskau und gehört zum UNESCO-Welterbe.

Eigentlich heißt sie aber gar nicht Basiliuskathedrale. Offiziell heißt sie Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben.

Geschichte der Basiliuskathedrale

Ursprünglich stand dort, wo die Basiliuskathedrale jetzt steht, die aus Holz gebaute Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Sie wurde 1552 im Auftrag Iwan des Schrecklichen als Denkmal für den Sieg der russischen Armee über die Tataren in Kasan errichtet. Da dieser Sieg über die Tataren eben am Tag des Orthodoxen Festes Mariä Schutz und Fürbitte stattfand, wurde die 1558 erbaute, steinerne Kathedrale offiziell nach diesem Feiertag benannt. Basiliuskathedrale nennt man sie im Volksmund, weil sie über dem Grab Basilius des Seligen errichtet wurde.

Der Architekt der Kathedrale war vermutlich Postnik Jakowlew aus Pskow. Ob noch ein weiterer Architekt namens Barma daran beteiligt war oder ob dies gar nur der Spitzname von Postnik Jakowlew war, ist ungeklärt.

Architektur und Baustil

Was den Architekturstil der Kathedrale betrifft, so vereinigt sie sowohl russische als auch europäische Elemente in sich. Im Ganzen besteht sie aus neun Kirchen, von denen jede eine eigene Kuppel hat. Im Zentrum befindet sich die eigentliche Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche mit der goldenen Kuppel. Quadratisch um sie herum sind acht weitere Kirchen angeordnet, die für die acht wichtigsten Schlachten um Kasan stehen.

Die Kathedrale besteht aus zwei Etagen. In der unteren liegt das Grab von Basilius dem Seligen und die Basiliuskapelle darüber. In der oberen Etage befinden sich die neun Kirchen mit ihren Kuppeln.

Natürlich wurde die Kirche, die im Unterschied zu den meisten anderen orthodoxen Kirchen nicht weiß bemalt ist, über die Jahrhunderte mehrmals renoviert und verändert. Denn zu Beginn war sie weiß bemalt und alle Kuppeln waren golden, wie bei den meisten orthodoxen Kirchen.

Als Reiseziel:

Ein Tipp für besondere Fotos der Kathedrale: Sie steht schräg zum roten Platz und sieht daher auf den meisten Fotos, die den Blick vom Roten Platz aus einfangen, asymmetrisch und chaotisch aus. Dies ist zwar auch der bekannteste Blickwinkel auf die Kathedrale, wenn man sie jedoch von Westen, mit der Kremlmauer im Rücken, fotografiert, kommt ihre Symmetrie erst heraus.

Gottesdienste finden in der Basiliuskathedrale übrigens nicht statt, sie ist Teil des Staatlichen Museums für Geschichte und man kann sie besichtigen.

Beglaubigte Übersetzungen

Was man über beglaubigte Übersetzungen wissen muss

Wenn man in ein Land einwandert, braucht man einige beglaubigte Übersetzungen von Dokumenten. Möchte man zum Beispiel, dass der Studien- oder Ausbildungsabschluss anerkannt wird, müssen die Zeugnisse beglaubigt übersetzt werden. Möchte man im Ausland heiraten, muss man die hierfür geforderten Dokumente wie Geburtsurkunde, Inlandspass und Ehefähigkeitszeugnis bzw. Ledigkeitsbescheinigung in beglaubigter Übersetzung vorlegen.

Wer kann eine beglaubigte Übersetzung anfertigen?

Beglaubigte Übersetzungen für deutsche Behörden dürfen nur in Deutschland allgemein beeidigte bzw. ermächtigte Übersetzer anfertigen. Eine Liste beeidigter Übersetzer finden Sie unter justiz-dolmetscher.de oder auch auf den Homepages der Landgerichte.

Wodurch unterscheidet sich eine beglaubigte Übersetzung von einer allgemeinen?

Eine Beglaubigte Übersetzung trägt eine Überschrift wie „Beglaubigte Übersetzung aus der… Sprache“. Außerdem ist sie vom Übersetzer gestempelt und der unterschriebene Beglaubigungsvermerk des Übersetzers ist angeheftet. Bei einer beglaubigten Übersetzung sollten auch die Seiten nummeriert sein und sie müssen so zusammengeheftet und geknickt sein, dass der Stempel des Übersetzers über alle Seiten (auch den Beglaubigungsvermerk) geht.

Die genauen Vorgaben unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Für Bayern gibt es einen Leitfaden mit Empfehlungen.

Wie überträgt man Namen aus dem Russischen?

Laut den Empfehlungen für Bayern sollen Namen bei beglaubigten Überetzungen nach ISO-Norm transliteriert oder nach den Duden-Transkriptionsregeln übertragen werden. Hier eine Tabelle der verschiedenen Systeme und mehr Infos zum Thema. Welches System man nutzt, trägt man in einer Fußnote ein. Der Unterschied ist, dass das Duden-System sich nach der Aussprache richtet und uns geläufiger ist, hier kann dafür jedoch nicht immer ein russischer Buchstabe genau einem deutschen Buchstaben zugeordnet werden. Eine Rückübertragung ist deshalb schwierig. Die Übertragung nach ISO ist eindeutig, ein russischer Buchstabe entspricht nur genau einem deutschen, hierfür sind jedoch manchmal für deutsche Muttersprachler schwierig zu lesende Sonderzeichen nötig. In manchen Übersetzungen ist der Name daher zweimal übertragen: Einmal nach ISO, um für die Behörden auf der sicheren Seite zu sein, und einmal nach Duden, um die Lesbarkeit zu sichern.

Erfahrungsgemäß ist es vor allem wichtig, dass die Namen möglichst in allen Dokumenten einheiltich übersetzt werden, sonst gibt es von behördlicher Seite Schwierigkeiten.

Und Zeugnisnoten?

Klar, das russische Notensystem ist anders als das deutsche. Bei russischen Schulnoten ist normalerweise die 5 die Bestnote und die 1 die schlechteste Note, mit einer 3 hat man gerade so bestanden.

Die Notensysteme sind also kaum vergleichbar und eine direkte Umrechnung nicht möglich. Daher werden auch in beglaubigten Übersetzungen die Noten nach dem ursprünglichen System angegeben, aber eine Fußnote gemacht, welche Note in diesem System die beste, welche die schlechteste und welche die unterste Bestehensnote ist.

So viel Deutsch steckt in Russisch: Entlehnungen und Internationalismen

Deutsche Entlehnungen im Russischen und Austausch zwischen den Sprachen!

Die russische Sprache steht, wie alle Sprachen, im ständigen und regen Austausch mit anderen Sprachen. Sie hat dabei Worte aus anderen Sprachen als Entlehnungen aufgenommen und Worte an andere Sprachen weitergegeben. In vielen Fällen haben die Worte dabei leicht oder vollständig ihre Bedeutung verändert, manchmal wurden sie auch einfach wörtlich übersetzt (so wurde der deutsche „Kindergarten“ zum Beispiel zum детский сад-djetskij sad). Manchmal kommen Worte aus einer Sprache auch nicht direkt in eine andere Sprache, sondern werden durch eine dritte Sprache quasi vermittelt. Die Worte танец-tanjez (Tanz) und маляр-maljar (Maler) wurden vermutlich aus dem Deutschen über das Polnische ins Russische getragen.

Internationalismen

Natürlich gibt es auch viele Internationalismen, die im Russischen genauso benutzt werden wie in den meisten anderen Sprachen. Diese haben vor allen Dingen mit der Informationstechnik zu tun, zum Beispiel Internet (интернет) oder Computer (компьютер). Auch im Sport finden sich solche Worte, zum Beispiel футбол-futbol (Fußball), гандбол-gandbol (Handball). Es gibt auch noch viele alte lateinische oder griechische Entlehnungen, die sich insgesamt in den indoeuropäischen Sprachen durchgesetzt haben und so eben auch in Russland vertreten sind. Dazu gehören zum Beispiel solche Begriffe wie энергия-energija (Energie), энциклонедия-enziklopedija (Enzyklopädie) oder элемент-element (Element). Griechische Entlehnungen wurden im Altertum oft direkt ins Russische eingebracht, lateinische eher durch Umwege über andere Sprachen in der Neuzeit. Da aber gerade Internationalismen in vielen Sprachen verwendet werden, ist es oft schwer zu sagen, aus welcher Sprache sie nun genau übernommen wurden.

Die falschen Freunde des Übersetzers

Und dann gibt es da noch die falschen Freunde des Übersetzers. Dabei handelt es sich um Worte, die in zwei Sprachen ganz ähnlich klingen, aber eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben und deshalb gerne verwechselt oder falsch übersetzt werden. Sie haben manchmal wirklich einen gemeinsamen Ursprung, aber oft klingen falsche Freunde nur zufällig gleich oder sehr ähnlich.

Im Russischen ist ein klassisches Beispiel für einen falschen Freund das Wort Doktor. Ein russischer доктор hat im Gegensatz zum deutschen Doktor bereits seine Habilitation hinter sich und kann Professor werden. Ein deutscher Doktor, also jemand, der promoviert und eine Doktorarbeit geschrieben hat, heißt im russischen кандидат наук.

Wo wir gerade bei akademischen Themen sind: Der russische академик ist nicht ein Akademiker im Sinne eines Hochschulabsolventen, sondern ein Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften. Die russische академия-akademija ist die Akademie der Wissenschaften und nicht wie im Deutschen allgemein eine Berufs- oder Fachakademie oder Militärakademie.

Ein weiteres Beispiel ist der Zentner. Im Deutschen denken wir da sofort an 50 kg. Das Wort stammt vom lateinischen „centum“ (hundert) ab. In Deutschland hat man bei der Berechnung des Zentners also an 100 Pfund gedacht. In den meisten slawischen Ländern, darunter auch Russland, und übrigens auch in der Schweiz dachte man an 100 Kilogramm. Ein russischer центнер-zentner sind also zwei Zentner bei uns.

Wie die Entlehnungen ins Russische kamen

Neben Englisch haben vor allem die französische Sprache als Hofsprache und auch die deutsche Sprache ihre Spuren im Russischen hinterlassen.

Ein wichtiger Punkt was den Einfluss anderer Sprachen, vor allem des Deutschen, auf die russische Sprache angeht war die Zarenschaft Peters des Großen. Er war bereits als junger Mann beeindruckt von den deutschen Handwerkern und Ärzten, die in besonders für ausländische Arbeiter angelegten Siedlungen (nemezkaja sloboda) lebten. Man sagt auch, dass Peter der Große inkognito nach Deutschland und Holland reiste und sich als Lehrling ausgab, um Neuentwicklungen vor allem im Schiffsbau nach Russland zu bringen.

Holländische Entlehnungen gibt es seitdem in der russischen Sprache im Bereich des Schiffsbaus, deutsche Entlehnungen zum Beispiel im Militär. So sind die militärischen Dienstgrade bis heute zum größten Teil Deutsch (генерал-general, майор-maior, лейтенант-leitenant, маршал-marschal, ефрейтор-jefreitor und viele mehr). Beim Marschieren zählt man in Russland bis heute deutsch.

In der Zeit Peters des Großen wurden aber auch in Technik und Handwerk sowie im Bildungswesen, Finanz- und Rechtswesen (zum Beispiel адвокат-advokat, der Anwalt) sowie in der Kultur (zum Beispiel гастроль-gastrol, die Gastrolle oder das Gastspiel) viele deutsche Worte übernommen.

Gerade für jemanden, der anfängt, Russisch zu lernen, ist es sehr interessant und teilweise witzig, wenn man dann in Russland unterwegs ist und plötzlich Worte hört wie бутерброд-buterbrod (Butterbrot), рюкзак-rjuksak (Rucksack), шлагбаум-schlagbaum (Schlagbaum, Schranke), вагон-wagon (Waggon) ландшафт-landschaft (Landschaft oder Landschaftsbild) oder автобан-awtoban (Autobahn). Auch geht man eventuell zum парикмахер-parikmacher (Friseur, nicht Perückenmacher! Achtung falscher Freund.) Oder man schaut sich abends ein фейерверк-feierwerk (Feuerwerk) an.

Die hier genannten Entlehnungen und falsche Freunde sind natürlich keine vollständige Auflistung, es gibt noch viele, viele mehr. Man wird sie jedoch schnell erkennen, wenn man Russisch lernt! Auch wurden mehrere Diplomarbeiten zu dem Thema geschrieben, die für ganz Interessierte und vor allem Studenten eine lohnenswerte Lektüre sind.